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Alarm bei Erster Hilfe: Aktuelle Studie kritisiert gegenwärtiges Ausbildungskonzept

Alarmierende Kritik wird in der aktuellen Studie „Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Notfällen“ renommierter Experten der Notfallmedizin geäußert. Die nun im Fachmagazin „Notfall + Rettungsmedizin“ publizierte Untersuchung stellt dem gegenwärtigen Ausbildungsmodell der Ersten Hilfe ein miserables Zeugnis aus. Und empfiehlt dringend Maßnahmen - unter anderem Erste-Hilfe-Kurse bereits im Schulalter, regelmäßige Wiederholungen der Kurse sowie höheres Augenmerk auf die weit häufigeren, internistischen Notfälle wie Herzinfarkte. ASBÖ-Bundeschefarzt Prim. Dr. Karl Holaubeck: „Vieles davon hat der Samariterbund bereits mit seinem neuen Schulungsprogramm umgesetzt. Wir bieten damit effiziente Erste Hilfe-Kurse nach den aktuellsten Erkenntnissen.“


Im Ernstfall bleibt Hilfe oft aus

 

Kernergebnis der Studie: Die Ausbildung in Erster Hilfe führt nicht dazu, dass auch tatsächlich Erste Hilfe im erforderlichen Ausmaß geleistet wird. Im Schnitt liegt die Schulung, etwa im Rahmen eines Führerscheinkurses, rund 15 Jahre zurück und wird nicht aufgefrischt. Das hat im Ernstfall verheerende Folgen: Patienten mit Atemstillstand wurden von Ersthelfern in 46,3 Prozent der untersuchten Primäreinsätze nicht beatmet, bei 40 Prozent der Patienten mit Herz-Kreislauf-Stillstand wurde keine Herzdruckmassage durchgeführt. Den Grund dafür liefert eine Befragung des Kuratoriums für Verkehrssicherheit: 73 Prozent haben schlichtweg Angst, Fehler zu begehen. Schlussfolgerung der Autoren von „Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Notfällen“: Das bisherige Ausbildungskonzept ist eindeutig in Frage zu stellen.

 

Dementsprechend fallen die Empfehlungen der Experten zu weitreichenden Maßnahmen aus. Vor allem müsse die Ausbildung in Erster Hilfe früher, schon im Schulalter, stattfinden und regelmäßig wiederholt werden. Neue, motivierende Kursformate sollen die Angst vor möglichen Fehlern abbauen. Diesbezüglich unterstreicht ASBÖ-Bundeschefarzt Holaubeck die Notwendigkeit neuer Schulungsmethoden: „Wer gar nicht handelt, macht auf jeden Fall einen Fehler. Davon hängen Leben ab.“

 

Aber auch die Kursinhalte werden als realitätsfern kritisiert. Schließlich beträgt das prozentuelle Verhältnis zwischen Akuterkrankungen wie Herzinfarkte und Unfällen etwa 80 zu 20. Die Breitenausbildung müsse daher die statistisch weit häufigeren internistischen Notfälle (im Gegensatz zu traumatologischen) mehr berücksichtigen, eine Sensibilisierung auf Reanimation und Symptome wie Thoraxschmerzen und Atemnot sei erforderlich.

 

Neue Schulungskonzepte beim ASBÖ

 

Erkenntnisse, die der Samariterbund in seinem Ausbildungsprogramm für Erste Hilfe bereits umgesetzt hat. Die moderne Erste Hilfe beim ASBÖ orientiert sich an sichtbaren Leitsymptomen (nicht an Krankheitsbildern), wobei das Hauptaugenmerk eben auf den überwiegend auftretenden, internistischen Notfällen liegt. Die Kursprogramme wurden von irrelevanten Inhalten befreit und durch praxisnahe Übungen und Methodenvielfalt ersetzt. Unterrichtet wird nur noch in kleinen Gruppen ohne Übungsleerläufe. Diese sind bundesweit standardisiert und können durch Module flexibel gestaltet werden.

 

Im Sinne der Sicherheit fordert die gemeinnützige Rettungsorganisation Samariterbund zudem für Personen in sicherheitsspezifischen Funktionen verpflichtende, regelmäßige Auffrischungskurse in Erster Hilfe sowie Informationskampagnen und verstärkt geförderte Kursprogramme für Jugendliche.

 

Weitere Informationen zum ASBÖ-Schulungsprogramm erhalten Sie unter Tel.: 01/89 145 -179 und online unter www.samariterbund.net/oesterreich/kurse.