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Das freiwillige soziale Jahr Überlegungen aus der Perspektive des ASBÖ


Der Arbeiter-Samariter-Bund Österreichs (ASBÖ) leistet jährlich 720.000 Einsätze im Bereich des Rettungs-und Krankentransportdienstes. Die überwiegende Mehrzahl dieser Transporte betrifft schwer kranke Menschen, welche etwa einer ständigen Chemo-, Dialyse-, oder Strahlentherapie bedürfen.
Ob die vom ASBÖ im Dienste der Allgemeinheit bisher erbrachten Leistungen durch ein freiwilliges soziales Jahr (FSJ) annähernd gleichwertig ersetzt werden können, wird von der Ausgestaltung, den Anreizen, einer gesicherten Finanzierung sowie einer ausreichenden Vorlaufzeit abhängen.
Festzuhalten ist, dass die postulierte Steigerung der Arbeitsproduktivität im Rahmen eines FSJ und die damit einhergehende Reduzierung des Personalstandes von 8.600 auf 6.470 im Sozialund Gesundheitsbereich im festgestellten Ausmaß gegenwärtig nicht nachvollzogen werden kann. Allfällige Produktivitätssteigerungen werden durch später beschriebene produktivitätssenkende Auswirkungen und weitere Faktoren verringert. Aus der Sicht des ASBÖ könnte aber die gewünschte Produktivitätssteigerung in erheblichem Maße jedenfalls dadurch erreicht werden, als die gesetzlich vorgeschriebene Ausbildung zum Rettungssanitäter bereits im Vorfeld durch arbeitsmarktpolitische Qualifizierungsmaßnahmen im Rahmen des AMSProgramms Berücksichtigung findet. Mit der Umsetzung dieser begleitenden Maßnahme könnten die Rettungsorganisationen mit ihren bestehenden Ausbildungszentren betraut werden.
Der massiv erhöhte Mehrkostenbedarf kann demnach ohne flankierende Maßnahmen nicht kompensiert werden, es sei denn die bei den Trägerorganisationen im Vergleich zum Zivildienst anfallenden Mehrkosten von zumindest EUR 191 Millionen werden zur Gänze von dritter Seite getragen.
Alleine in Wien ist bei einer möglichen Einstellung des Zivildienstes ab 01.07.2012 mit einem Schlag ein Ersatz von bis zu 900 Zivildienstleistenden allein im Rettungswesen erforderlich, um das Sozial-und Gesundheitssystem der Stadt in gleichbleibendem Umfang und gleichbleibender Qualität aufrechtzuerhalten. Dieser Ausfall wird mit einer Vorlaufzeit von einem Jahr nur schwer zu kompensieren sein.