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Die ersten 50 "smart homes" für selbstbestimmtes Leben im Alter

AIT Austrian Institute of Technology und Arbeiter-Samariter-Bund starten Wohnprojekt im Burgenland.


Das Innovations- und Technologieministerium macht nach fünf Jahren gezielter Forschungsförderung die erste großflächige Umsetzung von "smart homes" für ältere Personen zum selbstbestimmten Altern in den eigenen vier Wänden möglich. ForscherInnen des AIT Austrian Institute of Technology statten Wohneinheiten des Arbeiter-Samariter-Bunds (ASBÖ) im Burgenland mit modernsten Technologien aus. Ziel dieser Entwicklung ist, dass ältere Menschen, möglichst lange und komfortabel zu Hause leben können.
"Wenn Menschen älter werden, stellen sie sich oft die Frage: wo kann ich bleiben? Damit man länger in der eigenen Wohnung leben kann, sollte man sich die technischen Errungenschaften zunutze machen. Das erfordert aber auch Wohnbaumittel. Und hier ist die Politik gefordert. Ich kann mit Stolz sagen: die Wirtschaftskrise geht nicht auf Kosten des Wohnbaus", betonte Bundeskanzler Werner Faymann am Donnerstag bei der Präsentation der BMVIT-Initiative gemeinsam mit Innovationsministerin Doris Bures, Burgenlands Landeshauptmann Hans Niessl, Michaela Fritz vom Austrian Institute of Technology AIT und Reinhard Hundsmüller, dem ASBÖ-Bundesgeschäftsführer.

"Neue Technologien für ein längeres selbstbestimmtes Leben sind die Antwort auf eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Heute leben in Österreich 1,9 Millionen Menschen, die über 60 Jahre alt sind. 2030 werden es 2,8 Millionen sein. Daher ist es notwendig, eine moderne Wohnumgebung zu schaffen, die den Anforderungen von älteren Menschen gerecht wird", erklärte Innovationsministerin Doris Bures.

50 burgenländische Wohneinheiten, die vom Arbeiter-Samariter-Bundes betreut werden, wurden vom AIT mit "smart home"-Technologien ausgestattet. Der klassische Heimnotruf ist in diesen Wohneinheiten ebenso integriert wie Bewegungssensoren, Bestellung von Essen oder die Erinnerungsmeldung, falls Medikamente eingenommen werden müssen. Außerdem können Blutzucker oder Blutdruck überwacht und die Hauskrankenpflege informiert werden, wenn der Grenzwert überschritten wird.

Dieses Pilotprojekt ist ein Ergebnis des Programms "benefit", mit dem das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie seit 2008 die Forschung und Entwicklung von Technologien zur Unterstützung älterer Menschen fördert. Dadurch soll der älteren Generation der häusliche Alltag erleichtert sowie Sicherheit, Komfort, soziale Integration und Gesundheit gefördert werden. Seit 2008 wurden insgesamt 24 Millionen Euro investiert. 120 Projekte konnten seit dem Start des Programmes "benefit" aus den bmvit-Förderungen umgesetzt werden.

Die Notwendigkeit eine moderne Wohnumgebung zu schaffen, die unterstützend und förderlich für die Gesundheit ist, hat in den letzten Jahren ein neues Forschungsgebiet rund um das Thema unterstütztes Wohnen im Alter (AAL - Ambient Assisted Living) entstehen lassen. Österreichische innovative Unternehmen und Forschungseinrichtungen haben "smart home"-Technologien, wie z.B. Tele-Betreuung, Erinnerung an Medikamenteneinnahme, Sturzsensor uvm., entwickelt. Erstmals werden diese Technologien dabei von AIT-ExpertInnen in einem großen Feldversuch umgesetzt und in der Praxis getestet.

Rundum sicher versorgt
Diese Wohnungen sind speziell auf die Anforderungen von älteren Menschen ausgerichtet. Die Anwendungen reichen vom Videochat mit der Familie bis zur Fernüberwachung des Gesundheitszustandes. Aber auch Warnungen bei eingeschaltetem Herd, fließendem Wasserhahn oder unverschlossenen Türen werden eingebaut. "Diese Technologien schaffen ein intelligentes Zuhause für die ältere Generation. Der Herbst des Lebens wird länger, neue Technologien machen ihn schöner", so Bures.

Michaela Fritz, die Leiterin des AIT Health & Environment Departments und Präsidentin des Verbandes AAL Austria erklärte: "Es ist das größte Projekt in Österreich, bei dem "smart home"-Technologien nahtlos in den Wohnbereich integriert werden. Es geht ganz stark in Richtung Personalisierung, der Nutzen soll im Vordergrund stehen. Das AIT betritt mit neuesten Technologien diesen großen Zukunftsmarkt, der enormes Potential hat."

"Uns ist wichtig, die Lebensqualität von älteren Personen zu verbessern und mehr Zeit für persönliche Betreuung zu haben. Deshalb möchten wir ein Referenzmodell in der ganzen Region schaffen und ein zukunftsträchtiges, wirtschaftliches Modell erarbeiten", sagte ASBÖ-Bundesgeschäftsführer Reinhard Hundsmüller.

Burgenland als Vorreiter
Die Wohnungen befinden sich in den burgenländischen Bezirken Mattersburg, Oberpullendorf, Oberwart, Güssing und Jennersdorf. Dem Burgenland ist damit ein Durchbruch in der Versorgung vor allem in ländlichen Gebieten gelungen. "Durch altersgerechte Bauweise und Technologie gibt das Burgenland seinen BürgerInnen die Grundlage für ein langes, selbstbestimmtes Leben. Darüber hinaus wird der Wirtschaftsstandort gestärkt. Da bereits jetzt die Akzeptanz bei den BewohnerInnen hoch ist, sind auch weitere Projekte in Planung", so Landeshauptmann Hans Niessl.

Die 50 "smart homes" im Burgenland werden derzeit für die Ausstattung vorbereitet und die BewohnerInnen und das Betreuungspersonal informiert. Die ersten Wohnungen werden bereits im August 2013 bezogen. Weitere Projektpartner sind die Fachhochschule Technikum Wien, UMIT, OSG und Kapsch. Ziel ist es, die Akzeptanz der verschiedenen Module und deren Nutzen für die BewohnerInnen zu evaluieren.