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Die Helden Nepals: Menschen, die ihr Leben riskieren, um zu helfen

Es ist ein Fleckenteppich aus farbigen Planen mitten im Stadtgebiet von Kathmandu. Die Menschen haben sich hier mit allem, was sie finden konnten, einen Unterschlupf geschaffen. Kinder laufen durch die Zeltstadt, Hühner gackern. Eine alte Frau schlichtet Steine, für einen Gehweg zwischen den Baracken.


Einige NGOs haben bereits professionellere Zelte zur Verfügung gestellt. Die deutsche Organisation NAVIS ist gemeinsam mit Apotheker ohne Grenzen vor Ort und betreibt eine Krankenstation samt Röntgen sowie eine Wasseraufbereitungsanlage. Rund 7.000 Liter Trinkwasser werden hier täglich produziert.

Der junge Arzt Shah Rajiv hat in Heidelberg studiert und kümmert sich hier um seine Landsleute. „Wir sind die einzige medizinische Versorgung im Stadtteil Bhaktapur. Täglich kommen 150 Patienten und mehr “, berichtet er: „Viele haben Frakturen erlitten, die sie nach dem Erdbeben verschleppt haben. Ich habe aber auch immer mehr Patienten mit ganz anderen Problemen, etwa nach Verkehrsunfällen. Die Menschen vertrauen uns.“ Nach der Erdbebenkatastrophe ist die Behandlung in Krankenhäusern kostenlos. Dennoch liegt Vieles im Gesundheitssystem Nepals im Argen: Es gibt keine allgemeine Krankenversicherung und kein Hausarztsystem. Eine qualitativ gute Behandlung in einem privaten Krankenhaus können sich die wenigsten leisten. Menschen aus entlegenen Bergdörfern werden unter Umständen ihr ganzes Leben lang in keinem Spital untersucht.

Die Universitäts-Klinik in Dhulikel verfolgt deshalb ein Community-basiertes Konzept mit 18 kleinen Zweigstellen auch in entlegeneren Gebieten. Seit der Erdbeben-Katastrophe ist auch dieses Spital überfüllt. „Viele Patienten wurden zu uns eingeflogen“, so Professor Ram: „Wir sind ein Krankenhaus für arme Leute, aber es wäre uns nie eingefallen, unsere Patienten mit ärmlicher Medizin zu behandeln.“ Prof. Ram hat in Wien Medizin studiert, jetzt setzt er den Traum von einem qualitativ herausragenden Krankenhaus in Nepal um. Dabei bekommt er Unterstützung aus dem Ausland: UNICEF und NGOs sind vor Ort. Die Vereinten Arabischen Emirate fliegen Hilfsgüter mit einem Hubschrauber in die Berge.

Für die Opfer des Erdbebens hat die Dhulikel-Klinik nun ein Hilfspaket mit den nötigsten Utensilien, wie Zeltplanen und Küchensets, geschnürt. Denn viele werden in die Obdachlosigkeit entlassen. Studenten der nahen Dhulikel-Universität arbeiten außerdem daran, Übergangshäuser, Toiletten und einfache Öfen zu bauen. Der 23-jährige Technik-Student Prakash ist einer von ihnen. „Wir haben jetzt vorgezogene Ferien und können Modellhäuser bauen“, berichet er: „Es ist mir wichtig, den Leuten zu helfen. Glücklicherweise ist das Haus meiner Familie nicht betroffen.“

Die Studierenden arbeiten jetzt daran, ihre Erfindungen in den Dörfern umzusetzen. Universitätsdozent Chandra berichtet von einer solchen Mission zur Zeit des Nachbebens: „Wir konnten wegen des vielen Staubs nichts sehen. Es war wie die Apokalypse. Ein riesiger Felsbrocken hat unser parkendes Auto zerstört.“ Chandra und sein Team waren nahe dem Epizentrum unterwegs, genau wie wir. Einmal mehr wird mir bewusst, welches Glück Angelika und ich an diesem Tag hatten.

Unsere Partner vor Ort:
NAVIS
Apotheker ohne Grenzen