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Edelweiß 2010

Am 30. Jänner 2010, um 17.00 Uhr ging ein (fiktiver) Notruf bei der Telefonnummer 140 (Notrufnummer der Österreichischen Bergrettung) ein, wo es hieß, dass vier Jugendliche seit den Morgenstunden abgängig sind und in Kaltenleutgeben im Bereich Wiener Hütte das letzte mal gesichtet wurden. Nach einer mehrstündigen, vergeblichen Suche wurde dann von der Bergrettung die Einsatzzentrale des Samariterbundes Wien alarmiert und um Unterstützung angesucht.


Die Leitstelle alarmierte und informierte laut Landeseinsatzplan Wien alle notwendigen Stellen und Personen, wie das Landesrettungskommando Wien, den Hauptinspektionsoffizier (HIO), der an diesem Tag von Stefan Grasel wahrgenommen wurde, und natürlich die angeforderten Hilfseinheiten des Samariterbundes in Wien, die von den Wiener Samariterbund Gruppen besetzt wurden.

 

Nach Erkundung und Beurteilung der Lage wurden laut Auftrag des HIOs ein Mobiles Sanitätsteam mit Arzt, bestehend aus einem Kommandofahrzeug, 1 Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) mit vier Rettungsfahrzeuge angefordert. Weiters wurden Mannschaften mit Spezialfahrzeugen und Gerätschaften wie z.B. eine Logistikgruppe mit einem Basisgroßunfallset (BAGUS), eine Verpflegungsgruppe für die Versorgung der Teilnehmer, zwei Technikgruppen für das Beleuchten der Einsatzstellen, ein Search & Rescue Team mit Rettungshunden und das Samariterbund Doku-Team-Wien, für die Dokumentation des Einsatzes zum Einsatzort beordert.

 

Es wurde sofort die Lage erkundet, die notwendigen Absprachen zwischen den anwesenden Einsatzleitern durchgeführt, der Einsatzbereich in zwei Einsatzabschnitte eingeteilt (Berg und Tal) und gemeinsam koordiniert, kommuniziert und der Einsatz integriert geführt.

 

In der Summe waren über 75 HelferInnern im Einsatz. In enger Zusammenarbeit konnten dann nach und nach die nunmehr fünf vermissten Jugendlichen mit verschiedenen Verletzungsmustern gefunden werden. Erschwerte Bedingungen wie Schnee, Dunkelheit und Temperaturen um den Gefrierpunkt sowie unbekanntes und unwegsames Gelände stellten eine große Herausforderung für die Rettung und sanitätsdienstliche Versorgung der Verletzten und es zeigte sich im Detail, worauf es bei einem gemeinsamen Einsatz ankommt. Zusätzlich gab es einen simulierten Herzinfarkt eines Bergretters und einen simulierte Stressbelastung und Überreaktion seines besten Freund was eine PEER-Einsatz zur Folge hatte.

 

Die Polizei führte laufend den Abgleich der Patientendaten durch. Die Feuerwehrjugend & KHD Wien stellte Personen als Figuranten ab, half bei der Einweisung der nachkommenden Fahrzeuge und unterstützte bei der Ausleuchtung der Einsatzstelle.

 

Der Einsatz der Rettungsteams war für alle Organisationen wichtige Erfahrung, zeigte sich doch, wie wichtig es ist die Arbeitsweisen der Spezialeinheiten aufeinander abzustimmen. Der Übungszweck, die Überprüfung der Einsatzbereitschaft und Ausrüstung des Personals und des Einsatzmaterials des Samariterbund Landesverbandes Wiens sowie die koordinierte Zusammenarbeit konnte aus sicht der Übungsleitung vollständig erreicht werden, berichten die beiden Übungsleiter Wolfgang Zimmermann, Bundesrettungskommandant des Arbeiter Samariter Bund Österreichs und Heinz Treyer von der Österreichischen Bergrettung Landesgruppe Wien.

 

Es wurden in der Nachbesprechung dieser Übung selbstkritisch aber auch sehr deutlich die gemachten Fehler und Verbesserungsvorschläge angesprochen. Speziell bei Übungen ist es wichtig „Fehler machen zu dürfen“. Diese ergeben für jede Organisation die bei der „Übung Edelweiß 2010“ teilgenommen haben wichtige Erkenntnisse für die weitere Strategie und Ausrichtung für zukünftige Schulungsmaßnahmen, erklärt Alexander Prischl, Landesrettungskommandant der Samariter in Wien. Die Motivation der Übungsteilnehmer aller Organisationen war ausgezeichnet, es wurde sehr gut zusammengearbeitet, erklärt Prischl weiter.