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Frauen im Ehrenamt fördern und anerkennen

Die Statistik zeigt ein klares Bild: Frauen sind in der Freiwilligenarbeit in der Minderzahl. Den Gründen dafür sind am 27. Oktober 2009 Expertinnen und Experten im Rahmen der Podiumsdiskussion „Frauen und Ehrenamt“ in der Wiener Urania nachgegangen. Dazu eingeladen hatten der Arbeiter-Samariter-Bund Österreichs und Frau Bundesministerin Gabriele Heinisch-Hosek.

Einleitend beschrieb die Moderatorin des Gesprächs, Job-Coach und Autorin Elfriede V. Gerdenits, die unglaubliche Leistung der Ehrenamtlichen Österreichs: „Jede Woche werden in Österreich 14,7 Millionen Stunden Freiwilligenarbeit geleistet. Umgerechnet sind das etwa 425.000 Vollzeitstellen. Das wäre, als würden alle Mitarbeiter der Firma Siemens weltweit ehrenamtlich arbeiten.“

 

Doch woran liegt es, dass der größere Teil dieser ehrenamtlichen Arbeit von Männern geleistet wird? In ihrer Ansprache stellte Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek fest: „Viele Frauen wollen ehrenamtlich tätig sein, aber können sie es überhaupt? Frauen arbeiten, wenn man alles zusammenzählt, wesentlich mehr als Männer. Gerade wenn die Kinder noch klein sind, bleibt kaum Zeit.“

 

Gleichzeitig dürften die formellen Vereinsstrukturen vieler Ehrenamts-Organisationen für Frauen eher abschreckend sein. Selma Sprajcer, wissenschaftliche Mitarbeiterin des NPO-Instituts der WU und Mitautorin des ersten Freiwilligenberichts: „Frauen sind eher in Organisationen zu finden, die nicht hierarchisch organisiert sind.“ ÖGB-Vizepräsidentin Sabine Oberhauser stellte fest, warum gerade in den Funktionärspositionen dieser Vereine die Frauen fehlen: „Die Ideen und das Engagement kommen oft den Frauen. Wenn das Projekt dann ins Laufen kommt, überholen sehr oft die Männer und übernehmen die Führungspositionen.“

 

Wenn man die Frauen allerdings bewusst in die Gestaltung von Freiwilligenprojekten mit einbezieht, kann das auch anders aussehen. Nicole Sonnleitner vom Unabhängigen LandesFreiwilligenzentrum Oberösterreich (ULF) berichtete von 20 aktuellen Modellprojekten; 16 von ihnen werden von Frauen geleitet. „Wir müssen weg vom Helfen und Dienen, hin zum aktiven Mitgestalten“, so Nicole Sonnleitner.

 

Eine, die diesen Schritt längst getan hat, ist Andrea Fleischhacker. Sie engagiert sich neben ihrem anspruchsvollen Vollzeitjob ehrenamtlich im Wiener Samariterbund. „Ich wollte etwas geben, was mir wichtig ist: Zeit“, erklärte sie ihre persönliche Motivation. Gleichzeitig betonte sie aber auch, dass sie selbst sehr viel vom Ehrenamt profitiere: „Ich gebe nicht nur, ich bekomme auch sehr viel zurück. Einerseits eine Ausbildung, andererseits sehr viel Respekt, Anerkennung und Dankbarkeit.“ Fleischhacker forderte die Unternehmen auf, ein ehrenamtliches Engagement ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mehr zu fördern und anzuerkennen: „Die Unternehmen geben die Leute nicht in den Hobbybereich weg, sondern profitieren enorm von den Erfahrungen im Ehrenamt.“

 

Diese Sensibilisierung nicht nur der Unternehmen, sondern auch der gesamten Öffentlichkeit, war einer der Beweggründe der Podiumsdiskussion. Samariterbund-Präsident Franz Schnabl: „Es ist eines unserer größten Ziele, in der Gesellschaft ein Bewusstsein für das Grundrecht und die Pflicht der Solidarität zu fördern.“

 

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