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Großübung "U2/Stadion": Einsatzkräfte-Test für EURO 2008

Mit einem Großschadensszenario in der in Bau befindlichen U-Bahn-Station Stadion übten vergangenen Freitag Nachmittag die Wiener Einsatzkräfte Polizei, Sanität und Feuerwehr im Rahmen einer großangelegten Einsatzannahme den Ernstfall. An der Übung nahmen auch die Wiener Linien, die Akutbetreuung Wien, der Krankenanstaltenverbund und das Bundesheer teil.


Die Einsatzkräfte zeigten sich nach Übungsende zufrieden: "Wir waren schneller fertig, als wir gedacht haben", so Sanitätsteam-Sprecher Andreas Zenker über die größte Probe "vor der EM und der vergangenen Jahrzehnte".

 

Übungsziele waren die Bergung und Versorgung von 120 Verletzten, ein Testlauf für das Notspital im Stadionbad und das SMZ Ost, sowie spezielle Maßnahmen, wie der schwierige Transport über lange Stiegenhäuser (Situation wie im Stadion) und der Einsatz der DVI-Teams (Desaster Victim Identification - Personen-Identifizierungsteams der Polizei).

 

Die Übungsannahme lautete: An einem Spieltag der Fußball EURO 2008TM kommt es in einem U-Bahnzug zu einer Entzündung von mitgebrachten Feuerwerkskörpern. Durch die Explosion und die starke Rauchentwicklung bricht im U-Bahnzug Panik aus, von den insgesamt mehr als 200 Passagieren werden 120 Fahrgäste verletzt. Dem Sicherheitskonzept der Wiener Linien folgend, fährt der Zug in die nächstgelegene Station (Stadion) ein und wird dort evakuiert. Übungsort ist die Station Stadion der Linie U2, die im Mai, rechtzeitig vor der EURO 2008TM, eröffnet wird.

 

"Sanitätszentrum Stadionbad" im Einsatz

 

Die medizinische Leitung übernimmt in solch einem Fall der Leitende Notarzt der Wiener Rettung MA-70. Gemeinsam mit dem Einsatzleiter des Sanitätsteams Wien, Peter Hoffelner, werden alle Hilfsmaßnahmen koordiniert. Die Patienten werden direkt in der U-Bahn Station nach dem Schweregrad ihrer Verletzung eingeteilt und entweder in das "Sanitätszentrum Stadionbad" oder direkt in ein Spital (SMZ Ost) transportiert. Erste Hilfe-Maßnahmen werden von den in der Station postierten Polizisten gesetzt.

 

Jeder Patient bekommt beim Erstkontakt mit einem Sanitäter oder Notarzt ein orangenes Kärtchen umgehängt, die sogenannte Patientenleittasche. Auf dieser wird jede durchgeführte Maßnahme dokumentiert. An bestimmten Stellen, etwa kurz vor dem Abtransport in ein Krankenhaus, werden von den Hilfseinheiten Abschnitte der Patientenleittasche einbehalten, so kann später lückenlos der Weg jedes einzelnen Patienten nachvollzogen werden. Dadurch kann auch den Angehörigen sofort Auskunft gegeben werden, in welche Spitäler ihre Verwandten gebracht wurden.

 

Herausforderung fremdsprachige Unfallopfer

 

Da die Übungsannahme war, dass sich dieser Zwischenfall während der EURO 2008TM ereignet, befanden sich in dem U-Bahnzug viele Fahrgäste aus anderen Ländern. Dies erschwert die Kommunikation der Einsatzkräfte. Den Mitarbeitern des Sanitätsteams Wien steht daher die "Patientenübersetzungshilfe" zur Verfügung. Dabei handelt es sich um Übersetzungstabellen, die sowohl mit Piktogrammen arbeiten als auch medizinische Begriffe wie etwa "Fieber", "Bauchschmerzen" etc. in die EURO 2008TM Sprachen übersetzen. Durch das Arbeiten mit Bildern können sich Patienten, die nicht lesen oder schreiben können, ebenfalls verständlich machen - die Patientenübersetzungshilfe ist schon im regulären Rettungsdienst im Einsatz und hat sich dort bestens bewährt.

 

Die Patienten, die nicht sofort in ein Spital gebracht werden, kommen in das Hilfszentrum Stadionbad. Dort betreibt das Sanitätsteam Wien ein "Notspital", das mehr als 100 Patienten Platz bietet. "Sogar kleinere chirurgische Eingriffe sind möglich. Wir legen den Schwerpunkt auf die Versorgung von Verletzten, um sie transportfähig zu machen und sie dann so rasch wie möglich in ein Spital bringen zu können", erklärte Peter Hoffelner, Einsatzleiter des Sanitätsteams Wien. An einem Spieltag werden während der EURO 560 Sanitäter und 60 Notärzte im Einsatz sein - bei der Übung waren 180 Sanitäter und 10 Notärzte mit insgesamt fast 60 Fahrzeugen mit dabei.

 

Zusammenspiel der Einsatzkräfte

 

Geübt wurde auch die elektronische Vernetzung innerhalb des Sanitätsteams Wien. Die Patientendaten, die von den Helfern vor Ort erhoben werden, werden direkt an den Krankenanstaltenverbund weitergeleitet. Auch die Zahl der verfügbaren Betten ist stets auf dem neuesten Stand. So können die Patienten gleichmäßig auf die Spitäler aufgeteilt werden, ein Vorteil für Patient und Krankenhaus.

 

Das Sanitätsteam Wien ist der Zusammenschluss der vier Wiener Rettungsorganisationen(Rotes Kreuz, Samariterbund, Johanniter, Malteser), der Wiener Berufsrettung, dem Krankenanstaltenverbund, der MD-KS (Magistratsdirektion-Krisenmanagement und Sofortmaßnahmen) und dem Bundesheer. Es ist während der EURO 2008TM für die Versorgung der Patienten außerhalb des Stadions zuständig und sorgt gleichzeitig für den regulären Rettungsdienst. Das Sanitätsteam Wien wird von einem Stab geführt, insgesamt sitzen rund 35 Experten in diesem Stab.

 

Nach etwas mehr als zwei Stunden war gegen 18.15 Uhr Übungsende: Im Gesamtkonzept habe man mit rund drei Stunden gerechnet, so Zenker. "Wir waren eine Dreiviertelstunde früher fertig." Abtransport und Versorgung der Patienten sowie die Kommunikation unter den Helfern habe sehr gut funktioniert. Sinn der Übung sei gewesen, möglichst realistisch einen Massenanfall an Verletzten bei vollen Einsatzbedingungen zu üben: "Wir wissen jetzt, dass das, was wir uns in der Theorie überlegt haben, auch in der Praxis funktioniert", sagte Zenker nach der Abschlussbesprechung zur APA.

 

Demnach nehme man auch an, dass das Konzept in den Fanzonen funktionieren werde, da die Konzepte auf der gleichen Grundidee und Taktik basieren. Einige Verbesserungsvorschläge gab es: So soll z. B. noch die Orientierung im Gelände verbessert werden. Man gehe nun mit einem sehr guten Gefühl in die EURO.

 

Foto Copyright: Rotes Kreuz