Inhalt
< vorheriger Artikel

Internationale Großübung ModEx Portugal 2017: Erdbeben im Großraum Lissabon

SamariterInnen übten drei Tage unter schwersten Bedingungen für den Fall einer Erdbebenkatastrophe


Im Übungsland „Faultland“ gibt es am 10.06.2017, 04:34 UTC ein Erdbeben mit 7,2 laut Richter 81km vor der südwestlichen Küste. Auf die südlichen Regionen des Landes treffen drei Tsunamiwellen mit 9m Höhe, die sich bis zu 16km ins Landesinnere vorkämpfen und gewaltige Ausmaße an Zerstörung mit sich bringen. Mehrere starke Nachbeben erschüttern das gesamte Katastrophengebiet und hinterlassen ein Bild der Verwüstung.

Verheerende Ausmaße für die Bevölkerung

Es sind über 1 000 000 Menschen betroffen, die Verstorbenen werden bereits in den ersten Stunden auf 30.000 geschätzt. Vermisste und Verletzte können in den frühen Stunden der ersten Berichte nicht beziffert werden, es ist jedoch klar, dass die Katastrophe verheerende Ausmaße hat, die internationaler Hilfe bedürfen.

Die Wasser-, Gas- und Elektrizitätsversorgung ist stark beschädigt oder ganz teilweise sogar zerstört, Kommunikation ist nur bedingt möglich und Straßen sind weitgehend beschädigt und im betroffenen Gebiet teilweise unpassierbar.

Als die Regierung von „Faultland“ um internationale Hilfe ansucht, alarmiert auch der Arbeiter-Samariter-Bund Österreichs Bundesverband seine Einheit für internationale Katastrophenhilfe SA-RRT (Samaritan Austria – Rapid Response Team) und entsendet das sogenannte Urban Search and Rescue (USAR) Team, das Menschen nach Naturkatastrophen aus Trümmern rettet.

SamariterInnen und Rettungshunde sofort einsatzbereit

Es folgt die Einmeldung von 31 ehrenamtlichen Kolleginnen und Kollegen und die fünf zum Team gehörenden speziell ausgebildeten Rettungshunde, die sich umgehend auf den Weg nach „Faultland“ machen, um im betroffenen Übungsland Hilfe zu leisten und den Menschen vor Ort zu helfen.

Nach einer Anreise von über 3000 km von Österreich über Deutschland, Frankreich und Spanien nach Portugal mit der gesamten notwendigen Ausrüstung wird direkt nach Eintreffen eine internationale, sogenannte Base of Operations aufgebaut, wo alle Teams vor Ort sowohl einen Kommunikations- und Koordinierungsdrehpunkt, sowie einen Rückzugsort für die wichtigen Erholungsstunden etablieren.

Unter der Koordinierung eines Experten-Teams der EU (European Union Civil Protection Team – EUCPT), die technische Unterstützung eines litauisch/lettischen TAST (Technical Assistance and Support Team) bekommen, beginnen die drei Urban Search and Rescue Teams vor Ort mit der Arbeit in den Trümmern, um vergrabene und eingeschlossene Menschen zu retten.

Grenzenloses Engagement

Über drei Tage hinweg arbeiten die Teams 24/7 an unterschiedlichen Orten, in dem sie ihr fundiertes Fachwissen anwenden und präzise und genau arbeiten. Seiltechnik, Wanddurchbrüche, biologische Suche mittels Rettungshunden, … eine Vielzahl an Kompetenzen sind notwendig um diese Arbeiten zu bewältigen. Dank des grenzenlosen Engagements, des eisernen Arbeitswillens und der Fachkenntnisse schaffen es die Österreicher in 3 Tagen mehrere Personen aus Schutt und Geröll lebend zu retten, medizinisch zu versorgen und sind somit zu einem großen Teil am Überleben dieser Personen beteiligt.

Nach Ende der Übung und einer offiziellen Verabschiedung macht sich das SA-RRT auf den über 3000 km langen Heimweg, bei dem die Anstrengungen und die Müdigkeit der letzten Tage zu spüren ist. Das gesamte Team kommt wohlbehalten wieder nach Hause und es werden bereits jetzt wieder Vorbereitungen für den nächsten möglichen Einsatz getroffen.

Ein erfolgreiches Team

Diese Übungen tragen zu einem wesentlichen Teil zur Fortbildung aller Mitglieder im SA-RRT bei. Einsatzerfahrung und die Vernetzung mit anderen Teams, die lehrreichen eigenen Erkenntnisse, die Routine und Vertrautheit rettet im Ernstfall Menschenleben. Die MitarbeiterInnen des Samariterbundes sind froh die Möglichkeit zu haben an diesen internationalen Übungen teilzunehmen und sind stolz auf die KollegInnen und Kollegen, die Außergewöhnliches leisten und im Katastrophenfall bereit sind, an ihre Grenzen zu gehen, um Menschen in Not zu helfen.

Eckdaten:

  • Auslandskatastrophenhilfsteam des Arbeiter-Samariter-Bund Österreichs Bundesverband, Samaritan Austria – Rapid Response Team (SA-RRT), Einsatzmodul MUSAR (Medium Urban Search and Rescue) = Erdbebenrettung im urbanen Gebiet
  • Übung der EU innerhalb des EUCP Training Programme (European Union Civil Protection Training Programme), letzte Übung in diesem Zyklus
  • Verlegung mit 10 Fahrzeugen (davon 1 LKW) und 7 Anhängern von Wien über Deutschland, Frankreich und Spanien nach Portugal (Lissabon) und retour, ca. 3000 km/Strecke
  • Abfahrt 09.06.2017 um 02:00 Uhr
  • Rückkehr 18.06.2017, 21:00 Uhr
  • Übungsdauer 3 Tage (12.06-15.06.2017) im Großraum Lissabon / Barreiro
  • 31 Personen und 5 Rettungshunde (Spezialausbildung Trümmersuche) des SA-RRT
  • Übende/Teams aus den Nationen Österreich, Estland, Lettland/Litauen, Ungarn, Portugal und ein gemischtes EU-Team (EUCPT)        

https://www.youtube.com/watch?v=vMNoXDg5fGY&feature=youtu.be

https://www.youtube.com/watch?v=vMNoXDg5fGY&feature=youtu.be