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Menschen helfen Menschen auf der Flucht

"Wir müssen menschenunwürdige Zustände so schnell wie möglich beenden. Alles, was dazu beiträgt, die Flüchtlingsbetreuung zu verbessern, wird von uns positiv bewertet", erklärt der Präsident des Arbeiter-Samariter-Bund Österreichs, Franz Schnabl.


Rund um Europa befinden sich gewaltige Konfliktherde. Millionen Menschen müssen vor Krieg und Bürgerkrieg, Hunger oder religiösem Fanatismus fliehen. Viele Flüchtlinge möchten lieber heute als morgen wieder in ihre Heimat zurückkehren. "Aber politische Lösungen vor Ort sind nicht in Sicht", sagt ASBÖ-Präsident Franz Schnabl. "Wir benötigen daher ganz dringend langfristige gemeinsame Maßnahmen in Europa, die diese Regionen stabilisieren. Das reicht von wirtschaftlichen Sanktionen gegen Diktaturen und verbrecherische Regimes bis hin zu mehr Geld und Ressourcen für die Entwicklungszusammenarbeit vor Ort."

Hilfe für Menschen in Not
Der Arbeiter-Samariter-Bund Österreichs (ASBÖ) setzt sich schon seit Jahren für Menschen ein, die vor Krieg, Terror und Folter nach Österreich flüchten mussten, und stellt in diesen dramatischen Tagen und Wochen Zelte, Feldbetten, Decken und Einsatzfahrzeuge in Wien, dem Burgenland, in Oberösterreich, Salzburg und Tirol bereit. Mobile medizinische Teams des Samariterbundes sind unterwegs, um vor Ort rasch helfen zu können.Derzeit betreibt der Samariterbund in Österreich zehn Einrichtungen mit mehr als 1.000 Flüchtlingen und plant, bis Ende des Jahres mindestens weitere 500 Flüchtlinge aufzunehmen. 250 davon werden unbegleitete Minderjährige sein. Außerdem bereitet der Samariterbund weitere Flüchtlingseinrichtungen in Wien, Niederösterreich, im Burgenland, in Salzburg und Kärnten vor.

Altersgerechte Betreuung 
"Wenn die Menschen in unsere Häuser einziehen, haben sie bereits Unvorstellbares auf ihrer Flucht durchgemacht", erklärt Schnabl. "Die Mädchen, die teilweise monatelang im Lager in Traiskirchen im Freien schlafen mussten, haben uns ihren Alltag dort geschildert. 14-Jährige wurden von erwachsenen Männern aus der Essensschlange gestoßen, eine junge Frau wurde verprügelt und erhielt erst nach einer halben Stunde Hilfe. In unserem neuen Haus in Ottakring erhalten die Mädchen jetzt eine altersadäquate Betreuung und auch psychologische Unterstützung." Wenn die Politik versagt, muss die Zivilgesellschaft eingreifen. Schnabl will daher eine noch stärkere Einbindung der Hilfsorganisationen in der Betreuung der Flüchtlinge, besonders was die unbegleiteten Minderjährigen betrifft.

Enorme Hilfsbereitschaft
"Die österreichische Zivilgesellschaft hat in den letzten Wochen eine Menschlichkeit gezeigt, die mich zutiefst beeindruckt. Wir sind überwältigt von dieser enormen Hilfsbereitschaft", bedankt sich Schnabl bei allen Menschen, die sich für Flüchtlinge engagiert haben.Es könne nicht darum gehen, Grenzen dicht zu machen und Länder abzuschotten. Der Mensch müsse nach wie vor im Mittelpunkt politischer Aktionen stehen. Deshalb fordert Schnabl ein besseres Management im Umgang mit den Flüchtlingsströmen und weist dabei auf das Fehlen einer mittel- und langfristigen Perspektive hin. Die Sorgen und Ängste der Menschen müssten ernst genommen werden.

Politik muss kompetent agieren
Der ASBÖ-Präsident fordert alle Vertreter der Politik auf, nicht weiterhin eine Krise in der Flüchtlingsfrage heraufzubeschwören, sondern die gegenwärtige Situation als Herausforderung zu sehen, die im Sinne einer humanitären Gesellschaft gemeinsam positiv gelöst werden kann. "Wir stehen erst am Beginn einer mehrjährigen Flüchtlingswelle. Wenn seitens der Politik nicht sofort kompetent agiert wird, wird sich der allgemeine Zustand in der Flüchtlingsbetreuung nur noch verschlimmern", sagt Schnabl.