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Minderjährige Flüchtlinge sind keine halben Kinder


Copyright: Valerie Christ

Der Samariterbund ist Mitglied des Bündnisses "Alle Kinder haben Rechte".
Bei einer gemeinsamen Kundgebung am 15.6. wurde auf die prekäre Situation von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen hingewiesen.

Quer über den Wiener Minoritenplatz vor dem BM.I wurden mehrere hundert halbe Pappfiguren angebracht, um symbolisch darzustellen, dass unbegleitete minderjährige Flüchtlinge nur als Menschen mit halben Rechten behandelt werden. Derzeit sind in Österreich etwa 1.400 Flüchtlingskinder in Massenquartieren oder in nicht altersgerechten Erwachseneneinrichtungen untergebracht.
Die Kinder- und Jugendhilfe muss daher endlich die Zuständigkeit für die Obsorge der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge übernehmen.
Die Schaffung des Zugangs zu adäquater Betreuung und Bildung ist nicht nur unsere humanitäre Pflicht, sondern auch in der UN-Kinderrechtskonvention verankert.
Diese sieht vor, dass Kindern, die aus ihrer familiären Umgebung herausgelöst wurden, derselbe Schutz gebührt wie allen anderen Kindern.

Bei der Kundgebung kamen neben NGO-VertreterInnen auch zwei junge Flüchtlinge aus Syrien und Afghanistan zu Wort, die schilderten, warum sie ihr Heimatland verlassen mussten und was sie während ihrer Flucht erlebten.
Mustafa Nuri, der vor zwei Jahren alleine nach Österreich kam schilderte die Zeit in Traiskirchen folgendermaßen: "Dort durfte ich nichts tun, nichts lernen, nicht spielen. Einfach nichts. Das war sehr fad".
Die Ungewissheit aufgrund seines laufenden Asylverfahrens ist immer noch sehr belastend. Nach der Pensionierung des zuständigen Richters sei sein Asylakt verloren gegangen, worauf er einen neuen Antrag stellen musste.

Das Bündnis "Alle Kinder haben Rechte" präsentiert folgende Forderungen, die sich an die Bundesregierung, die Landeshauptleute und insbesondere die Innenministerin richten:

· Zügige Abwicklung von Asylverfahren
· Einhaltung der UN Kinderrechtskonvention (bspw. Schutz und Hilfe, Bildung, faire Verfahren, Erholung)
· Sofortmaßnahmen zur Behebung der Missstände in den Massenquartieren
· Verantwortung für UMF von Seiten der Kinder- und Jugendhilfe
· Erhöhung der Tagsätze für UMF auf das Niveau der Kinder- und Jugendhilfe
· Altersgutachten nur bei ausreichendem Verdacht der Volljährigkeit