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Perspektiven für Pflege und Pflegende

Im Jahr 2019 werden laut Statistik Austria über 465.000 Menschen über 80 in Österreich leben – 15 % mehr als heute. Die demografischen Daten waren den Expertinnen und Experten bei der Podiumsdiskussion des Samariterbundes am 18. Mai 2010 im Pflegekompetenzzentrum Weppersdorf natürlich bekannt. Bundesminister Rudolf Hundstorfer brachte aber auf den Punkt, dass das Thema „Pflege und Pflegeberufe – Anforderungen an die Zukunft“ nicht nur in Zahlen gemessen werden kann: „Die Frage ist nicht nur, in welcher Quantität, sondern auch in welcher Qualität werden wir alle in Zukunft gepflegt werden.“


Hoher Standard im Burgenland

Dass gerade das Burgenland schon heute sowohl quantitativ als auch qualitativ auf sehr hohem Niveau arbeitet, zeigte Soziallandesrat Dr. Peter Rezar auf: „Wir haben in den letzten zehn Jahren im Burgenland 20 neue Alten- und Pflegeheime errichtet und setzen auf regionale Strukturen, auch wenn sie teurer sind. Die Einrichtungen im Burgenland haben im Schnitt 30 Betten.“

 

Pflegefonds gefordert

Berechtigt war aber auch die Frage des Samariterbund-Präsidenten Dir. Franz Schnabl: „Können wir uns diese Qualität auch in der Zukunft noch leisten?“ Schnabl forderte in diesem Zusammenhang erneut die Schaffung eines Pflegefonds, der durch die Zweckbindung bestimmter Steuereinnahmen gespeist werden könnte. Auch ein Solidaritätsbeitrag der Besserverdienenden sei wünschenswert.

 

Pflegeausbildung aufwerten

Es mangle aber nicht nur an Geld, sondern auch an Personal: „Wir müssen den Pflegeberuf attraktiver machen durch gute Ausbildung, ein adäquates Gehaltsschema und die Möglichkeit sich weiterzubilden“, erläuterte Schnabl. Christine Ecker, MBA, MAS, Leiterin der Stabstelle Gesundheits- und Soziale Dienste des Samariterbundes, machte sich für eine Aufwertung der Krankenpflege-Ausbildung stark: „Österreich ist eines von zwei Ländern in der EU, wo die Pflegeausbildung nicht auf akademischem Niveau stattfindet.“ Gleichzeitig würden die Pflegefachkräfte zu wenig stark ins Gesundheitssystem eingebunden, zum Beispiel dann, wenn es um Gutachten zur Pflege-Einstufung gehe.

 

Einstufung durch Pflegende

Sozialminister Hundstorfer kündigte jedoch gleich in Weppersdorf an, dass künftig Pflegekräfte in die Einstufung mit einbezogen werden. Im Spätherbst werden in fünf Bundesländern Modellversuche starten, bei denen die Pflegegeldeinstufung durch Ärzte gemeinsam mit Expertinnen aus dem Pflegebereich durchgeführt werden soll. „Bis 2012 soll das dann der Standard sein“, stellte Hundstorfer in Aussicht.

 

Analysieren und vorbereiten

„Wir müssen schon heute Analysen durchführen und Vorkehrungen treffen, damit wir mit dem Thema Pflege auch in Zukunft auf eine Weise umgehen können, die menschenwürdig ist“, schloss die Moderatorin, Nationalratsabgeordnete Mag.a Christine Lapp, die Diskussion.