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Podiumsdiskussion "Armut folgt keinem Naturgesetz"

Der Arbeiter-Samariter-Bund Österreichs brachte am 3. Mai Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Politik und dem Sozialbereich an einen Tisch. Namhafte ExpertInnen erläuterten die Hintergründe von Armut und diskutierten mögliche Wege aus der Armut.


"Über eine Million Österreicherinnen und Österreicher sind laut Statistik Austria armutsgefährdet, rund 500.000 Menschen leben in Österreich in manifester Armut. Welche Verantwortung haben der Staat, die Wirtschaft und NGOs in der Armutsbekämpfung?", leitete ORF-Moderator Fabio Polly die Diskussionsrunde mit einer Grundsatzfrage ein.

 

Rudolf Hundstorfer, Bundesminister für Soziales und Konsumentenschutz, hielt fest, dass Österreich europaweit das Land mit der zweitniedrigsten Arbeitslosenquote ist. Als aktuelle Beispiele eines aktivierenden Sozialstaates führte er die Erhöhung der bedarfsorientierten Mindestsicherung sowie die Maßnahmen in der Arbeitsmarktpolitik an, die insbesondere mit der „Aktion Zukunft Jugend“ bei der Förderung der Beschäftigung von Jugendlichen gesetzt wurden. "Bei allen erforderlichen Überlegungen Budgetdefizite in den Griff zu bekommen, ist es notwendig, dass den Ärmsten geholfen wird. Wir brauchen einen Sozialstaat, der hinschaut und nicht wegschaut", betonte Hundstorfer.

 

Mag.a Christine Lapp, NR-Abgeordnete und Bundesvorstandmitglied des ASBÖ, wies darauf hin, dass es zur Gestaltung eines Staates Regeln brauche, die auf Solidarität beruhen: "Der Fokus muss dabei auf einer gerechten Verteilung mit einem geregelten Zugang zum Bildungssystem und zum Arbeitsmarkt gerichtet werden. Gesellschaftliche Teilhabe bedeutet auch Zugang zu Kultur und dass man sich frei bewegen kann. Familien mit vielen Kindern, allerziehende Frauen oder kranke und behinderte Menschen wird dieser Zugang nach wie vor erschwert." Der Samariterbund mache wichtige Angebote für diese Menschen, nicht nur durch seine vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen, sondern auch mit Einrichtungen in der Wohnungslosenunterstützung, mit den Sozialmärkten, Flüchtlingseinrichtungen sowie der Stiftung Fürs Leben, die kranke Kinder unterstützt, deren Eltern sich dringend benötigte medizinische und therapeutische Maßnahmen nicht leisten können.

 

Ing. Wolfgang Hesoun, Generaldirektor der A. Porr AG, meinte, dass Armut nur nachhaltig mit einem funktionierenden Arbeitsmarkt und einer funktionierenden Wirtschaft bekämpft werden könne. Der Sozialstaat sei prinzipiell zu begrüßen, könne aber nur abfedern. "Wirksame und nachhaltige Maßnahmen können nur in Kombination aus einer produktiven Wirtschaft und einem funktionierenden Sozialsystem gesetzt werden", stellte Hesoun fest.

 

Dr.in Michaela Moser, Sozialexpertin und PR-Leiterin der Dachorganisation der Schuldenberatungen in Österreich, hält es für wichtig, das Bewusstsein dafür zu schärfen, wie schnell jeder von uns in die Armutsspirale geraten kann. "Armutsgefährdete Menschen brauchen eine Politik, die ihnen wieder auf die Füße hilft. Armut hat nicht nur mit einem Mangel an Gütern zu tun, sondern auch mit der mangelnden Möglichkeit mitzugestalten und sich zu verwirklichen", erklärte Moser. Die Mindestsicherung sei bei aller Detailkritik ein Schritt in die richtige Richtung. In der Arbeitsmarktpolitik stelle sich die Frage, wie jene Personen unterstützt werden können, die nur teilerwerbsfähig sind. Auch sie benötigen eine Chance auf Jobs, die eine Existenz über der Armutsgrenze sichern. Ein weiterer wichtiger Bereich in der Armutsbekämpfung seien die sozialen Dienstleistungen, wie sie etwa der Samariterbund anbietet. Studien haben gezeigt, dass in Zeiten der Krise, die Kluft zwischen Arm und Reich wächst. Gerade in der Krise seien daher soziale Investitionen besonders wichtig.

 

 

Dr. Siegfried Sellitsch, Präsident des ASB Landesverband Wien, hielt fest, dass für die Armutsbekämpfung jeder Euro gut investiert ist und dass der Bedarf an finanziellen Mitteln im Vergleich zu anderen Gesellschaftsbereichen überschaubar ist. Sehr wesentlich ist, dass von Armut betroffene Menschen von sozialer Exklusion betroffen sind, weshalb der persönliche Kontakt sehr wichtig ist. Für die Menschen in den Wohnungslosen- und Flüchtlingseinrichtungen oder im Sozialmarkt des Samariterbundes sind die Sozialkontakte und die Beratung wesentliche Bestandteile um Abstiegskarrieren aufzuhalten oder zu verhindern. "Wir müssen verhindern, dass der Einzelne zu einem Weg in die Nutzlosigkeit gezwungen wird. Der Samariterbund mit seinen haupt- und ehrenamtlichen MitarbeiterInnen des versucht hier seinen Beitrag zu leisten", so Sellitsch.

 

Neben dem Rettungs- und Krankentransport betreibt der Samariterbund Einrichtungen für stationäre Pflege, bietet mobile Hauskrankenpflege an, steht hinter wichtigen Dienstleistungen für ältere Menschen, wie Heimhilfe, Essen auf Rädern ("Menüservices") und dem "Heimnotruf", betreut mit dem „Haus Winkeläckerweg“ eine Flüchtlingseinrichtung und betreibt seit Juli 2009 einen Sozialmarkt in Wien. Mit einem Sozial betreuten Wohnhaus in der Wiener Pillergasse wird im Jahr 2010 bereits die dritte Wohnungsloseneinrichtung des Samariterbundes errichtet.

 

Fotos zum Pressegespräch stehen unter diesem Link zum Download bereit: dl.dropbox.com/u/1296925/Pressebilder_Armut_ASBOE.zip

 

Rückfragehinweis:

 

Arbeiter-Samariter-Bund Österreichs

Hollergasse 2-6, 1150 Wien

 

Leitung Presse und Öffentlichkeitsarbeit:

Gerlinde Thurner

Tel.: +43-1-89145-186

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