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Samariterbund übte Camp-Management in der Slowakei

(APA) Wann eine Katastrophe eintritt, ist im Vorhinein ungewiss. Wenn es allerdings zu einem Erdbeben, Hochwasser oder einem orkanartigem Sturm kommt, dann müssen die Helfer nicht nur schnell an Ort und Stelle sein, sondern auch genau wissen, was sie machen. Bei einer großangelegten Abschlussübung des "Eurets"-Projekts unter der Federführung des Österreichischen Samariter-Bundes wurde nahe Bratislava in der Slowakei nach einem angenommenem Hochwasser ein Notfallcamp für 80 Personen errichtet und gemanagt - samt Widrigkeiten wie medizinischen Notfällen, Unruhen, Bränden und schwierigem Bürgermeister.


Das Ziel des "Eurets"-Projekts ist, dass man eine Art Prototyp für ein Camp schafft, das den strengen EU-Standards für Hygiene und Verpflegung gerecht wird. Diese Notunterkünfte können im Katastrophenfall - egal ob am Meer, in den Bergen oder in der Wüste - schnell errichtet werden und bieten bis zu 1.000 Personen Platz. "Die Camps sind autark", sagte der Projektleiter Josef Riener der APA. Die notwendige Ausrüstung wird entweder an Ort und Stelle erworben oder aus den EU-Ländern bereitgestellt.

 

In der Slowakei war die Ausgangslage, dass 80 Personen nach einem Hochwasser ihr Zuhause verlassen mussten. Binnen kurzer Zeit wurde auf einem ehemaligen Militärareal ein Camp aus dem Boden gestampft, ein Trafo für die Elektrizität herbeigeschafft und die Wasserversorgung hergestellt. Gleichzeitig wurden Zelte errichtet, auf denen sowohl Name als auch ein Foto der jeweiligen Bewohner angebracht war - wodurch sich niemand in ein Zelt schummeln kann. Nach Möglichkeit wurden Familien gemeinsam untergebracht. Ansonsten setzte man aber eher auf Geschlechtertrennung. "In einem Zelt wohnen etwa fünf Frauen, wenn wir da jetzt einen Mann reinlegen würden, dann hätten wir wohl ein Problem", sagte Riener.

 

Eine funktionierende Infrastruktur ist aber nur die Basis einer gut geführten Notunterkunft, wie Riener erklärte. Genauso wichtig ist das Management und das Bewältigen von etwaigen Konflikten und Problemen im Camp. Bei der Übung in der Slowakei wurden die verschiedensten Szenarien durchgespielt, um möglich Schwachstellen zu entdecken. So wurde nicht nur ein ethnischer Konflikt zwischen den Bewohnern des Camps oder ein medizinischer Notfall simuliert, im Hauptgebäude saß noch dazu ein gespielter Bürgermeister, der den Helfern das Leben nicht unbedingt leichter machte. Anhand von Checklisten wurden die einzelnen Übungen im Nachhinein ausgewertet.

 

Die Besonderheit bei "Eurets" sind die einheitlichen Standards der Camps. Bei den verschiedenen Katastrophen in den vergangenen Jahren haben die Helfer beobachtet wie verschieden die Qualität von der Notunterkünften mitunter ist. Dies hatte oft eine Wanderbewegung der Betroffenen von Camp zu Camp zur Folge. Das Projekt hat ein Volumen von 380.000 Euro. Träger ist der Arbeiter-Samariter-Bund Österreichs in Zusammenarbeit mit dem Samariterbund der Slowakischen Republik (ASSR), dem Amt der Steiermärkischen Landesregierung und der Johanniter-Unfall-Hilfe Deutschlands. Mit der Übung in der Slowakei ist das EU-Projekt abgeschlossen.