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Samariterbund: Unverständnis über Aussendung der IGBO

Hundsmüller: Das ist eine regelrechte Verhöhnung unserer ehrenamtlichen MitarbeiterInnen, die uneigennützig helfen und damit das unsägliche Leid der Flüchtlinge zu lindern versuchen.


Während sich angesichts der dramatischen Lage der in Österreich gestrandeten Kriegsflüchtlinge tausende Ehrenamtliche freiwillig und unbezahlt beim Arbeiter-Samariter-Bund-Österreichs (ASBÖ) und zahlreichen anderen NGOs rasch und unbürokratisch um eine menschenwürdige Unterkunft und Versorgung kümmern, machen sich gleich zwei Berufsoffiziersorganisationen Sorge darum, ob ein Assistenzeinsatz des österreichischen Bundesheeres zur Bewältigung dieser humanitären Katastrophe lege artis sei, sozusagen dem Buchstaben des Gesetzes entspreche. 

Als völlig unverständlich bezeichnet Reinhard Hundsmüller, Bundesgeschäftsführer des ASBÖ, die Reaktion der Offiziersgesellschaft und der Interessensgemeinschaft der Berufsoffiziere angesichts der dramatischen Situation in Österreich. "Das ist eine regelrechte Verhöhnung unserer ehrenamtlichen MitarbeiterInnen, welche neben Beruf und Familie uns ihre Freizeit schenken und uneigennützig helfen und damit das unsägliche Leid der Flüchtlinge zu lindern versuchen. Bei uns wird nicht lange gefragt, wir übernehmen Verantwortung", so Reinhard Hundsmüller. "Egal ob wochentags, am Wochenende, zu den Feiertagen oder während der Nachtstunden - wir sind dort, wo andere Menschen unserer Hilfe bedürfen. Der Mehrwert dabei ist das Wissen darum, dass man sinnvoll geholfen hat. Ein Dankeschön in einer noch nicht verständlichen Fremdsprache, ein Lächeln oder auch eine Umarmung sind der Lohn für gelebte Nächstenliebe."

"Aufgrund meiner Kenntnisse und jahrelangen Verbindungen zum österreichischen Bundesheer kann ich mir überhaupt nicht vorstellen, dass sich das Bundesheer und die überwiegende Anzahl der Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften im Geiste der gelebten humanitären Tradition Österreichs den Äußerungen der IGBO (Interessensgemeinschaft der Berufsoffiziere) anschließen kann. Wir erleben das Bundesheer im täglichen Geschehen als zuverlässigen und höchst kompetenten Partner. Viel eher scheint es so zu sein, dass ein mit einer satten Beamtenpension ausgestatteter Vertreter der IGBO den Anschluss an die Realität verloren hat. Diese Herrschaften sollen endlich einmal das Primat der Politik akzeptieren, nämlich, dass die demokratisch legitimierten Vertreter des Souveräns entscheiden, wie und wo das Bundesheer zum Einsatz gelangt. Wenn das Motto des österreichischen Bundesheers weiterhin "Schutz und Hilfe" lauten soll, so ist es nur recht und billig, wenn es nun als Unterstützung der zivilen Verwaltung (Innenministerium, Landesregierungen und Gemeinden) zum Einsatz kommt. Das wäre gelebte Humanität und wäre es wert, unserem Bundesheer Respekt zu zollen.

Wir laden die Vertreter dieser Aussendung gerne zu einem Lokalaugenschein nach Traiskirchen ein, wo der Samariterbund 365 Tage und Nächte im Jahr den Rettungsdienst betreibt. Wenn sie dann immer noch der Ansicht sind, dass hier rasche Hilfe durch das österreichische Bundesheer unnötig sei, dann mögen Sie dies einerseits mit ihrem Gewissen ausmachen, andererseits darüber nachdenken, ob sie an der Spitze einer Interessensvertretung am richtigen Platz sind.

Der ASBÖ mit seinen rund 7.000 ehrenamtlichen und rund 2.000 hauptamtlichen MitarbeiterInnen hat angesichts der humanitären Katastrophe in Traiskirchen nicht lange überlegt, ob er hilft, sondern wie er helfen kann. "So werden wir bis zum Herbst rund 1.000 AsylwerberInnen Unterkunft und Betreuung anbieten können. Insbesondere möchte sich der ASBÖ um die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge kümmern, damit deren Gegenwart nicht zur Vergangenheit wird, sondern damit sie eine menschenwürdige Zukunft vor sich haben. Dafür setzen wir uns ein und dafür übernehmen wir Verantwortung", so Hundsmüller.

Abschließend appelliert Reinhard Hundsmüller nochmals an die Politik und hier insbesondere an die Gemeindevertreter, notwendige bau- und feuerpolizeiliche Verhandlungen bei potenziellen Unterkünften rasch abzuwickeln und "urlaubsbedingte" Verzögerungen hintanzuhalten.

Wer hier und jetzt rasch hilft, hilft doppelt, im wahrsten Sinne des Wortes.