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Schwimmunterricht für Frösche: Luna Al-Mousli-Lesung

Literatur von Preisträgerin Luna Al-Mousli


Die gebürtige Syrerin Luna Al-Mousli hat mit ihrem Werk „Eine Träne. Ein Lächeln. Meine Kindheit in Damaskus“ den Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis 2017 gewonnen und am 1. August 2017 nachmittags in der Wiener Samariterbund Flüchtlingseinrichtung im GZW Pavillon 6 daraus vorgelesen. Christian-Thomas Kari, MBA, der Leiter des Hauses (im Bild mit Al-Mousli) freute sich über den kulturellen Event, an dem Kinder aus verschiedenen Ländern teilnahmen.

Um ein Haar hätte Luna Al-Mousli gar nicht mitbekommen, dass sie zu den Preisträgern zählt. „Ich hätte einen Brief bekommen sollen, der aber nie bei mir angekommen ist. Und dann habe ich ein Mail erhalten, das an die Preisträger des Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreises gerichtet war. Ich dachte zunächst an einen Spam“, so die Schriftstellerin. Die Sache ließ ihr aber dann doch keine Ruhe – und sie hat angerufen. Auf diese Weise erhielt sie die gute Nachricht. 

In „Eine Träne. Ein Lächeln. Meine Kindheit in Damaskus“, zweisprachig erschienen im Frankfurter Weissbooks Verlag (http://www.weissbooks.com), schildert die Autorin Episoden aus ihrer Kindheit in Damaskus. Es sind kleine Alltagsgeschichten vom Leben in Syrien.

„Die Kinder in meinen Geschichten unterscheiden sich gar nicht so sehr von Kindern, die in Österreich aufgewachsen sind. Wir haben zum Beispiel Frösche gefangen und wollten ihnen das Schwimmen beibringen. Manche haben das nicht überlebt. Die haben wir dann auf einem eigenen Friedhof begraben. So ähnliche Geschichten könnten auch Kinder hier erlebt haben“, glaubt Al-Mousli.

Im Gegensatz zu vielen anderen Menschen aus Syrien ist die Familie Al-Mousli nicht geflohen: „Ich lebe jetzt seit 13 Jahren in Wien. In Syrien ist es schwierig, zu studieren. Es gibt den Numerus Clausus, das heißt, die Noten müssen sehr gut sein. Oder man investiert viel Geld für Bestechung. Meine Mutter hielt es daher für klüger, nach Wien zu gehen. Auch mein Großvater ist zum Studieren nach Wien gekommen. Er ist mit meiner Großmutter hier geblieben, während meine Mutter nach Syrien zurückgegangen ist. Der Plan meines Opas war, nach der Pensionierung wieder nach Damaskus zurückzukehren. Das geht aber jetzt nicht. Meine Geschwister und ich dachten ja, wir fahren nur auf Urlaub nach Wien. Mittlerweile ist es ein Urlaub, der schon viele Jahre dauert.“

Daheim fühlt sich die 27-Jährige in beiden Kulturen: „Es wäre schön, wenn ich da und dort arbeiten und leben könnte.“

Im Moment bleibt das - angesichts der blutigen Lage in Syrien – noch ein Traum …