Inhalt
< vorheriger Artikel

Sonne, Natur und Schutzgötter im Haus RIGA


Vergangenen Freitag veranstaltete das Haus Riga zum ersten Mal ein großes Sommerfest im Garten. Künstler Carlos Anglberger stiftete für das Wohnheim einzigartige Kunstwerke, die in Zukunft schützend über die Bewohner wachen sollen.

In der gesamten Riedlgasse findet man wohl kaum einen schöneren Garten als den vom Haus RIGA. Eine weitläufige Wiese, etliche Bäume, Blumen und sogar Gemüsebeete umgeben das Wohnheim im Bezirk Hietzing. Dieses schöne Ambiente nutzten die Bewohner und Betreuer des Hauses RIGA, um zum Sommerfest zu laden.

Hinter der schönen Grünfläche steckt jedoch jede Menge Arbeit. "Den Garten so zu gestalten war ein langwieriger Prozess, der noch immer nicht abgeschlossen ist", weiß die ehrenamtliche Mitarbeiterin Dr. Ursula Weber-Hejtmanek zu erzählen. Sie kümmert sich gemeinsam mit einigen Hausbewohnern vor allem um die Gemüsebeete, die liebevoll hinter dem Haus angelegt wurden.

Seit März letzten Jahres arbeitetet sie mit einer Kerngruppe von Naturliebhabern an der Gestaltung des Gartens und konnte feststellen "So bunt wie diese Pflanzen sind, so unterschiedlich sind auch die Bewohner und deren Lebensgeschichten!". 
Im Wesentlichen ist die Gartenarbeit etwas sehr Soziales: Die Bewohner kommen beim Pflegen der Beete zusammen, können wieder Erfolgserlebnisse sammeln und das geerntete Obst und Gemüse miteinander teilen. Eine besondere Stütze ist dabei Frau Christine Friedl. Die gelernte Floristin hat die morgendliche Gartenrunde bereits zu ihrem Ritual gemacht und kümmert sich vorbildlich um die Gemüse- und Obstbeete.

Beim Gartenquiz konnte sie sogar die volle Punkteanzahl erzielen. Dieses stellt allerdings nur eines der fünf Stationen der „Spiele-Rallye“ dar, welche extra für die Bewohner des Haus RIGA initiiert wurde. Auch andere Stationen wie Dosenwerfen, Pac-Man-Spielen, ein Hindernisparcours und das Rätsespiel fanden großen Anklang bei den Bewohnern.  Mit viel Eifer und Freude an der Sache absolvierten einige Bewohner alle Stationen, nicht zuletzt weil es als Hauptpreis einen Geschenkkorb zu gewinnen gab.

Ein weiteres Highlight war die Wahl zur Namensgebung, der von dem Künstler Carlos Anglberger gestifteten Schutzgötter, an der sich ebenfalls viele Hausbewohner beteiligten. Obdachlosigkeit ist ein wichtiges Thema für den Wiener Künstler: "Ein Dach über dem Kopf ist für mich ein Grundrecht, auf das jeder Mensch einen Anspruch haben sollte!". Als Künstler fühlt sich "der Sachenmacher", wie er sich selber auf seiner Homepage bezeichnet, dazu verpflichtet, sich für Soziales einzusetzen. Für den Literaten, Maler und Betongießer stellen die Skulpturen aus Beton, die er selber als "Schutzgötter" bezeichnet, einen sehr symbolischen Wert dar.

"Von den Schutzgöttern können sich die Bewohner Kraft holen", meint Heli Deinböck, Sozialarbeiter im Haus RIGA und Austropop-Legende. Er plant auch die Kunstwerke später mit den Bewohnern bunt zu bemalen. Fragt man die Bewohner des Hauses RIGA, so war das Sommerfest ein voller Erfolg. "Dieses Fest ist eine schöne Sache! Wissen’s, ohne solche Abwechslungen fällt uns ja hier die Decke auf den Kopf!", so Walter Leisser, er wohnt mit rund 160 anderen Männern und Frauen im Haus RIGA und ist froh nach drei Jahren Obdachlosigkeit endlich ein Zuhause gefunden zu haben. Nicht nur für Herrn Leisser sondern auch für alle anderen Hausbewohner war das Sommerfest eine optimale Gelegenheit, um Nachbarn besser kennenzulernen, neue Bekanntschaften zu machen und Freundschaften zu festigen.