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Start für Alkolocks-Pilotprojekt

Einbau der Wegfahrsperre nach zwei Monaten Führerscheinentzug möglich.


Samariterbund-Bundesgeschäftsführer Reinhard Hundsmüller (links im Bild) und Österreichs Verkehrsminister Jörg Leichtfried (rechts im Bild) informierten bei einem Presse-Termin über das fünfjährige Alkolock-Pilotprojekt, das am Freitag, dem 1. September 2017, startet. Der Einbau der elektronischen Wegfahrsperre ist frühestens nach zwei Monaten Führerscheinentzug möglich. Das heißt, die ersten Alkohol-Interlocks können frühestens mit 1. November in Betrieb genommen werden. Das Projekt wird vom Arbeiter-Samariter-Bund Österreichs (ASBÖ) umgesetzt.

Der Motor lässt sich mit der Wegfahrsperre erst dann starten, wenn eine Atemprobe abgegeben wird und diese weniger als 0,1 Promille Alkohol aufweist. Liegt eine höhere Alkoholisierung vor, zeigt das Gerät "Test nicht OK", und die Anzeige leuchtet rot.

Das vom ASBÖ verwendete Modell "Dräger Interlock 7000" erkennt auch Mundalkohol. Hat der Anwender kurz vor der Messung beispielsweise eine alkoholhaltige Praline gegessen, lässt sich der Motor ebenfalls nicht starten. Vielmehr muss die Messung in einigen Minuten wiederholt werden. Das Gerät ist laut Ministerium relativ manipulationssicher. So werden beispielsweise auch während der Fahrt zu zufälligen Zeitpunkten Kontrolltests verlangt. Lenker müssen hierfür binnen einer gewissen Zeit stehenbleiben und erneut in das Gerät blasen.

Ein Alkolock kostet rund 1.500 Euro, der Einbau des Geräts in der Fachwerkstätte etwa 300 Euro. Alternativ können die Geräte für sieben Euro pro Tag beim Arbeiter-Samariter-Bund gemietet werden. Die Programm-Teilnehmer müssen zudem alle zwei Monate Mentoring-Gespräche absolvieren. Diese finden unter vier Augen statt und kosten rund 150 Euro. Die Teilnahme am Alkolock-Programm beläuft sich so auf mindestens rund 2.100 Euro. "Es ist keine Sozialmaßnahme. Die Alkolocks ermöglichen es jenen, die es brauchen, weiterzufahren", sagte Leichtfried.

ALKOLOCK-HOTLINE: 0800 21 11 44 /// ALKOLOCK-WEBSITE: www.abs-institution.at

 

Den Zuschlag für das Pilotprojekt hat der Arbeiter-Samariter-Bund erhalten. 50 Geräte hat der ASBÖ bereits lagernd. Alkolock-Anwender können diese an 13 Standorten in Österreich beziehen. Fünf Jahre dauert die Pilotphase, die vom Ministerium wissenschaftlich begleitet wird. "Die Testphase wird zeigen, dass das Programm mehr Sicherheit bringt", gab sich Leichtfried überzeugt.

Jedes Jahr wird in Österreich etwa 26.000 Menschen der Führerschein wegen Alkohol am Steuer abgenommen. Rund 7.000 setzen sich ohne Führerschein wieder hinters Steuer, 4.000 davon auch betrunken, so die Zahlen des Verkehrsministeriums. Mit bis zu 1.700 Alkolock-Anwendern pro Jahr rechnet das Verkehrsministerium. Die Alkolocks müssen für mindestens sechs Monate verwendet werden. Mit alternativen Bewährungsmodellen sei die Rate von Wiederholungsdelikten um 75 % niedriger, ergab eine Studie der EU-Kommission.

/// ALKOLOCKS FAQ: ///

Wie funktioniert das Alkohol-Interlock-System?

In das Auto wird eine Sperre eingebaut, die den Motor erst dann starten lässt, wenn eine Atemprobe abgegeben wurde und diese nicht mehr als 0,1 Promille Alkohol (= 0,05 mg/l Atem-Alkohol) aufweist. Nach Einschalten der Zündung muss in das Mundstück des Geräts geblasen werden. Übersteigt der Messwert die zulässige Grenze, blockiert die Zündung.

Ab wann kann ich mit einem Alkohol-Interlock fahren?

Der Einbau des Alkohol-Interlock-Geräts ins Auto ist frühestens nach Absolvierung der Hälfte der Führerscheinentziehungsdauer - also frühestens nach zwei Monaten - möglich. Der Interlock ist nur für die Klasse B (und BE) möglich. Die Teilnahme ist freiwillig als Alternative zum Führerscheinentzug. Die ersten Alkohol-Interlocks werden am 1. November in Betrieb genommen.

Wie lange müssen die Geräte verwendet werden?

Für den Zeitraum der doppelten restlichen Entziehungsdauer - mindestens aber sechs Monate - dürfen nur Fahrzeuge mit Alkohol-Interlock-Gerät gelenkt werden, und zusätzlich müssen die Teilnehmer in zweimonatigen Abständen Mentoring-Gespräche führen.

Wie läuft die Antragstellung ab?

Die Antragstellung erfolgt bei der Behörde, d.h. bei der Landespolizeidirektion bzw. bei der Bezirkshauptmannschaft. Wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind, beauftragt die Behörde die Produktion eines Führerscheins mit dem Zahlencode 69 und stellt zeitgleich einen vorläufigen Führerschein aus. Alle weiteren Dokumentationen laufen direkt zwischen der Behörde und dem Arbeiter-Samariter-Bund (ASBÖ), der das Alkolock-Programm umsetzt. Der ASBÖ verwaltet die Geräte, führt die Mentoring-Gespräche, übernimmt die Information der Teilnehmer und erfasst sämtliche Daten.

Was kostet der Alkohol-Interlock?

Alle Kosten müssen die Teilnehmer selbst tragen. Die Miete eines Alkolocks kostet rund 7 Euro pro Tag (Kaution 500 Euro), der Einbau des Gerätes in der Fachwerkstätte etwa 300 Euro. Das Gerät kann nicht gekauft werden. Für die Mentoringgespräche sind jeweils ca. 150 Euro zu bezahlen. Für sechs Monate, die Mindestteilnahmezeit, belaufen sich die Kosten damit auf mindestens 2.100 Euro.

Gilt der Alkohol-Interlock auch rückwirkend für Delikte, die vor September 2017 begangen wurden?

Nein. Wer am 31. August 2017 oder davor erwischt wurde, kann das Alkohol-Interlock-System nicht nutzen.

Kann man die Alkohol-Wegfahrsperre manipulieren bzw. ausbauen?

Der Versuch einer Manipulation wird aufgezeichnet und führt zu einem Blockieren der Zündung (außer das Auto ist im Fließverkehr). Während der Fahrt werden zu zufälligen Zeitpunkten Kontrolltests verlangt. Hat eine andere Person zum Starten des Autos hineingeblasen, fällt die Manipulation während der Fahrt auf. Außerdem werden die aufgezeichneten Daten regelmäßig von den Mentoren ausgelesen.

Was passiert bei Verstößen?

Verstöße wie z. B. der Versuch, das Gerät zu deaktivieren, Alkohol in der Atemluftprobe, Überschreitung von Fristen für das Mentoring-Gespräch etc. können zum Ausschluss aus dem Programm und somit zum Entzug des Führerscheins für die restliche Dauer führen. Straf- oder Verwaltungsrechtliche Konsequenzen sind in der Pilotphase nicht vorgesehen.