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Weltflüchtlingstag: ASBÖ fordert mehr Integrationsmaßnahmen

„Eine Kultur kann man nur schätzen, wenn man sie auch kennt“, so Samariterbund-Geschäftsführer Reinhard Hundsmüller.


In Österreich haben im Jahr 2015 etwa 90.000 Menschen um Asyl angesucht, NGOs haben diese Menschen von der ersten Stunde an versorgt, ihnen Unterkünfte zur Verfügung gestellt und sie bestmöglich betreut. "Jetzt stehen wir vor einer weiteren großen Herausforderung: Wir müssen diese Menschen bei der Integration unterstützen. Auch hier sind es die NGOs, die viele Initiativen und Projekte initiieren. Von der öffentlichen Hand wird derzeit kaum Geld für Integrationsmaßnahmen zur Verfügung gestellt, Vieles basiert derzeit auf ehrenamtlicher Tätigkeit bzw. wird aus Spendengeldern finanziert. "Längerfristig gesehen werden wir damit nicht das Auslangen haben", erklärt Reinhard Hundsmüller, Bundesgeschäftsführer des Arbeiter-Samariter-Bund Österreichs. "Wir müssen uns vor Augen halten, dass man eine Kultur nur schätzen kann, wenn man sie auch kennt. Der Spracherwerb ist das erste Mittel dazu. Doch um Teil einer Gesellschaft zu werden, bedarf es viel mehr." In den vergangenen Monaten hat der Samariterbund eine Vielzahl von Projekten ins Leben gerufen, um Flüchtlingen eine erste Orientierung zu geben und sie bei der Integration in unsere Gesellschaft zu unterstützen.

"Best practice"-Beispiele des Samariterbundes:

Alphabetisierung und Unterstützung speziell für Frauen

Besonders für Frauen, die nicht lesen und schreiben können, sind Alphabetisierungs-Kurse ein wichtiger Schritt in eine eigenständige Zukunft. Im Haus Siemensstraße wird Frauen außerdem durch sozialarbeiterische Maßnahmen und individuelle Unterstützung der Rücken gestärkt. Die Frauen nehmen das Angebot sehr dankbar an und interessieren sich auch für Freizeit- und Sportangebote außerhalb der Einrichtung. Insgesamt kann dank Freiwilligenarbeit und Spenden zurzeit allen 160 BewohnerInnen der Einrichtung ermöglicht werden, an Deutschkursen teilzunehmen. Seit Februar dieses Jahres wohnen im Haus Siemensstraße in Wien Flüchtlingsfamilien und alleinstehende Frauen, die meisten sind bereits seit Monaten in Wien und waren zuvor im Transitquartier Ferry Dusika-Stadion untergebracht. Manche HelferInnen sind den Schutzsuchenden in ihre neue Unterkunft gefolgt und bieten ihnen nun hier ihre Unterstützung beim Deutschlernen und ihre Begleitung bei Freizeitaktivitäten an.

Koedukative Betreuung von Mädchen und Burschen

Der Samariterbund betreut mehr als 300 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Im Haus Mihan und dem Haus Ottakring des Samariterbund Wien findet eine koedukative von Mädchen und Buben im Alter zwischen 14 und 18 Jahren statt, die allein, ohne Eltern aus ihrer Heimat geflüchtet sind. Workshops, Bildungsangebote, Gesprächsrunden und gemeinsame Freizeitaktivitäten der jungen Menschen ermöglichen einen behutsamen Zugang zu ihrem neuen Rollenbild und bereiten sie auf ein selbstständiges Leben in Österreich bestmöglich vor. So werden etwa Schwimmkurse, gemeinsames Musizieren, Feste oder auch ein Tanzkurs angeboten. Im Haus Mihan leben zusätzlich Studierende, mit denen ein Austausch stattfinden kann. Ein strukturierter Tagesablauf und integrationsfördernde Maßnahmen sowie sinnvolle Freizeitbeschäftigungen sind für die Menschen, die zum Teil sehr belastende Situationen erlebt haben, besonders wichtig. Den Tag beginnen sie mit einem gemeinsamen Frühstück, anschließend gibt es Deutsch-Unterricht und für schulpflichtige Kinder und Jugendlicher auch regulären Schulunterricht.

Musik-Projekte für junge Flüchtlinge

Das Projekt "Building Bridges" ermöglicht jungen Flüchtlingen, die vorwiegend im Haus Sidra und dem Haus Ottakring des Samariterbund Wiens leben, Workshops in Tanz, Gesang und Percussion. Die jungen Mädchen und Burschen werden von einem Team professioneller und international renommierter MusikerInnen und TänzerInnen unterrichtet. Die Workshops finden wöchentlich in kleinen Gruppen mit rund 10 Jugendlichen an mehreren Standorten in Wien statt. Über ein Jahr lang wird mit den jungen DarstellerInnen wöchentlich geübt und gearbeitet. Zusätzlich wird im Haus Sidra in einem professionellen Tonstudio musiziert und produziert. So haben die Wiener Philharmoniker die Ballspende des letzten Philharmoniker-Balles gespendet. Mit diesem Betrag wurden die Ausrüstung für ein Tonstudio sowie einige Musikinstrumente angeschafft, die die Jugendlichen seither begeistert verwenden. Erste Raps wurden aufgenommen und Beats produziert. Regelmäßig wird in Workshops an neuen Liedern gearbeitet, bei denen die Jugendlichen viele neue Ideen einbringen.

Freiwilligen-Netzwerk IGOR für sinnvolle Freizeitgestaltung

Im Pavillon 6 des Geriatrizentrums am Wienerwald engagiert sich die Freiwilligen-Gruppe IGOR (Integrationsarbeit und Gesundheitsförderung im öffentlichen Raum) und bietet Freizeitangebote an: Töpferkurse, Näh-Workshops, Computerkurse, Gartenarbeit und gemeinsame Feste stehen auf dem Programm. Gemeinsam mit den Flüchtlingen wurde auch ein Gemeinschaftsraum liebevoll gestaltet. Im Rahmen der Initiative DigitalCity.Wien und der Unterstützung des Unternehmens AfB Österreich wurden vor kurzem 18 Computer und Software gespendet.

Mentoring-Programm "Newcomer" und Sportprojekt im Burgenland

Das Projekt portraitiert unbegleitete minderjährige Flüchtlinge im Haus Podersdorf des Samariterbund Burgenlands. Ziel ist es, effektive Deutschkurse zu organisieren. Außerdem sollen MentorInnen für die Jugendlichen gefunden werden, die ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen und ihnen berufliche sowie persönliche Zukunftsperspektiven vermitteln können. Außerdem wird in Podersdorf die Integration durch ein längerfristiges Sport-Projekt gefördert. 39 junge Flüchtlinge konnten bereits einen professionellen Sport-Leistungstest im Turnsaal der Volksschule in Podersdorf ablegen. Am ganzen Vormittag wurden Dinge wie Reaktionszeit, Sprungkraft, Ausdauer oder Balance getestet. Ziel war es, die jungen Burschen verschiedenste Sportarten kennenlernen zu lassen, und sie im Idealfall für einen fixen Vereinsplatz zu begeistern. Die Umsetzung erfolgt über die verschiedenen Sportverbände, in Podersdorf dem ASKÖ, und wurde vom Sportministerium initiiert.

Urban Gardening: Neue Wurzeln schlagen

Urban Gardening hat Hochsaison. In den Einrichtungen des Samariterbundes Wien blüht und gedeiht viel Neues. Im Garten des Hauses Winkeläckerweg in Wien Floridsdorf bauen Flüchtlingsfamilien schon seit mehr als zehn Jahren Spezialitäten aus ihrer Heimat an. Eine Familie aus China pflanzt hier zum Beispiel einen speziellen Salat an, den es in Österreich nicht zu kaufen gibt. Obst und Gemüse wird von allen Familien gerne für den Eigenbedarf verwendet und zu Gerichten aus ihren Heimatländern verkocht. Hier kooperieren Syrer mit Pakistani, Ukrainern und Chinesen. Unbestritten ist auch die positive Wirkung des Gartens auf Körper, Geist und Seele: Die Regulierung der Atemfrequenz, die Verlangsamung des Pulses und die Steigerung der Schlafqualität sind neben der sinnvollen Freizeitgestaltung und der erhöhten Bewegung in freier Natur nur einige der wunderbaren Nebeneffekte des "Urban Gardenings".