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Westsahara

Aufbau eines elektronischen Nationalarchivs


Die GEZA realisiert derzeit in der Westsahara (d.h. in den Flüchtlingslagern in Südwestalgerien, wo auch die Exilregierung der Westsahara ihren Sitz hat) im Lagerstandort Rabuni den Aufbau eines historischen Kulturarchivs für die Westsahara sowie die Renovierung einer Volksschule im Lagerstandort El Aiuun.

 

In enger Zusammenarbeit mit der Kulturministerin soll das Archivprojekt der Bewahrung des saharaurischen Kulturgutes dienen, das durch die politische Lage stark gefährdet ist: Aufgrund geopolitischer und wirtschaftlicher Interessen Marokkos können die Saharauris ihr Recht auf Selbstbestimmung nicht durchsetzen. Die Saharauris in den Flüchtlingslagern leiden unter Unterversorgung mit Lebensmitteln und einem Mangel an Beschäftigungsmöglichkeiten. Laut Umfragen wollen fast 100% der jungen Saharauris aus den Lagern weg. Die Exilregierung muss mit immer knapperen Ressourcen wirtschaften und in den letzten Jahren beispielsweise aufgrund der sinkenden Unterstützung teils Ressourcen aus dem allgemeinen Budget für die Sicherung der Nahrungsmittelversorgung abziehen (worunter u.a. auch der Kultursektor leidet). In den von Marokko besetzten Gebieten wird die saharaurische Bevölkerung stark unterdrückt. Nicht selten werden Kinder und junge Jugendliche entführt und in den Norden von Marokko gebracht, um dort isoliert von der saharaurischen Kultur aufgezogen zu werden. Nach Beendigung der Ausbildung dürfen sie nicht arbeiten, was dazu führt, dass erneut Antipathien der marokkanischen Bevölkerung gegen Saharauris geschürt werden und es wiederum zu einer weiteren Demotivation und Verunsicherung der Saharauris kommt. 

 

Ein deutliches Zeichen für die nach wie vor katastrophale politische Lage ist die ‚Mauer der Schande‘, ein über 2.700 km langer Wall aus Sand, Steinen und Stacheldraht, abgesichert mit tausenden Minen: http://www.arso.org/SOMAP2.GIF

 

Bis vor kurzem war das Kulturerbe der Saharauris auf verschiedene Orte verstreut und eine systematische Sammlung und Archivierung fand nur teilweise statt. Das Kulturministerium war von Anfang an in das GEZA-Projekt stark involviert und zieht nun großen Nutzen aus dem Archiv. Das elektronische Archiv soll Daten und Informationen über die Westsahara über das Internet weltweit - sowie auch lokal - verfügbar machen und neben der Dokumentation der saharaurischen Geschichte und Kultur auch für die Verwaltungsinstitutionen der saharaurischen Exilregierung dienlich sein. Mit der elektronischen Archivierung wird ein wesentlicher Beitrag dazu geleistet, historisches Liedgut, Erzählungen, Poesie, Literatur und Musik der Saharauris zu erhalten und ihnen so die Überlieferung und Fortführung ihrer Kultur zu ermöglichen.