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Freude kann man nicht kaufen

Seit eineinhalb Jahren besucht Tom Wagner die nun 99-jährige Frau Anna im Rahmen eines ehrenamtlichen Besuchsdienstes. Für sein Engagement wurde er jetzt ausgezeichnet.


"Jetzt lacht sie wieder viel", sagt Tom Wagner. Ein bis zweimal pro Woche besucht der junge Nachrichtensprecher die jetzt 99-jährige Frau Anna in ihrer Wohnung in Wien Währing: "Wir treffen uns hier wie Freunde, machen uns die Termine so aus, wie es gerade die Zeit erlaubt", erzählt der 24-jährige. Als unter anderem stellvertretender Chefredakteur bei Radio Arabella erlebt er einen fordernden Alltag unter Zeitdruck und mit viel Zeitknappheit - einen Ausgleich findet er an den ruhigen Nachmittagen mit Frau Anna beim Zuhören und Plaudern.

"Es geht den Leuten gut, wenn sie jemanden zum Reden haben", weiß Wagner von seiner Arbeit als Rettungssanitäter beim Samariterbund, wo er seit seinem Studium ehrenamtlich tätig ist.

Als Tom Wagner die ältere Dame vor eineinhalb Jahren das erste Mal traf, lernte er eine Frau kennen, die ihren Lebensmut verloren hatte. Es dauerte erst einige Monate bis die Skepsis der Freundschaft wich. "Für mich ist das Schönste zu sehen, wie sie lernt, das Leben wieder zu schätzen und meine gewonnene Erfahrung, dass man auch einem Menschen im Alter noch Lebensfreude geben kann", sagt Tom Wagner: "Wenn ich sie besuche, erwartet sie mich schon freudig, ist lustig und aufgeregt und wenn ich gehe, schüttelt sie mir fünf Mal die Hand. Ich weiß, dass sie sich danach in ihren großen Foteau-Sessel setzt und denkt: "Es war ein schöner Nachmittag".

Tom Wagner und Frau Stefanie gehen manchmal einkaufen, bei Bankangelegenheiten hat sie größtes Vertrauen zu ihm und wenn er ab und zu eine kaputte Glühbirne wechselt, bringt er Licht in einen oft schon Tage lang dunklen Raum. Vor allem die oft stundenlangen Gespräche tun Frau Anna aber gut. "Mit ihren 99 Jahren macht sie so gut wie alles allein", bewundert Tom Wagner die Dame, die außer einem 85-jährigen Neffen, um den sie sich manchmal kümmert, niemanden hat. Beeindruckt ist er auch, wenn er vom Leben der 1920 geborenen Frau hört. "Sie war eine der ersten Prokuristinnen in der Finanzbranche und wurde beschimpft, dass sie als Frau den Männern den Job wegnimmt. Es ist überhaupt unglaublich, welche Erfahrungen sie in ihrem Leben gesammelt hat", so Wagner.

Am 9. April verlieh der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig gemeinsam mit dem amtsführende Stadtrat KR Peter Hanke, der auch Präsident der Helfer Wiens ist, Tom Wagner den "Helfer Wiens Preis 2019". Mit dem "Fest der HelferInnen" im Festsaal des Wiener Rathauses bedankte sich die Stadt Wien bei den vielen MitarbeiterInnen der Wiener Hilfs- und Einsatzorganisationen, die im "K-Kreis" (Katastrophenschutzkreis) zusammengeschlossen sind. Neben dem Samariterbund ist auch Radio Arabella Mitglied im K-Kreis und nominierte ihren Mitarbeiter Tom Wagner für diese Auszeichnung. "Ich freue mich sehr über den Preis. Und bin froh einen Arbeitgeber wie Radio Arabella zu haben, der es ermöglicht, Dienste so einzuteilen, dass daneben ehrenamtliches Engagement und andere Interessen auch gelebt werden können", so Wagner.

Möchten auch Sie älteren oder pflegebedürftigen Menschen Freude schenken? Dann melden Sie sich bitte unter: gsd-info@samariterbund.net oder Tel: +43 1 89 145 - 283