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"Ich will den Leuten Licht machen"

Zubair Habibi, 18, ist vor dem Krieg in Afghanistan geflohen. Nun wohnt er in einer Unterkunft für Asylwerber des Arbeiter-Samariter-Bundes in Wien und besucht die Berufsschule. Im Interview erzählt er von seinen Erfahrungen in Österreich und von seinem Traum, Elektrotechniker zu werden.


Zubair, woher genau kommst du?

Ich bin aus Kabul, der Hauptstadt Afghanistans. Vor zehn Monaten bin ich nach Österreich gekommen und habe hier Asyl beantragt. Warum gerade Österreich? Ich habe mich bewusst für Österreich entschieden. Ich bin hier sicher, und Österreich ist für mich ein neutrales Land. Ich wollte nicht in einem Land leben, das politisch am Krieg in Afghanistan beteiligt ist. In Kabul ist etwas passiert, bei dem mein Leben in Gefahr war. Ich und meine Familie hatten wenig Zeit. Wir haben uns zusammengesetzt und beschlossen, dass ich Afghanistan verlassen muss. Das war schwer für uns alle, aber es gab keine Wahl.

Wie gehts dir jetzt hier?

Super, ich lerne Gitarre spielen, lerne Deutsch, mache Sport. Seit Herbst besuche ich, als außerordentlicher Schüler, die Berufsschule für Elektrotechnik und Mechatronik in Wien. Den Wunsch, Elektrotechniker zu werden, hatte ich schon in Afghanistan. In Kabul gibt es nicht 24 Stunden am Tag Strom, so wie hier, sondern nur in der Nacht. Als Kind war ich neugierig: wie geht das, dass das Licht einmal da ist, einmal nicht? Ich habe meinen Vater gefragt, wie funktioniert das, wie kann man Licht transportieren über so große Distanzen? Mir ist wichtig, dass es Licht gibt, dass die Leute sehen koennen. Ich will den Leuten Licht machen.

Und die Berufsschule gefaellt dir?

Sehr! Es gibt in Österreich nicht viele Plätze fuer Asylwerber an Berufsschulen, ich hatte Glück einen zu bekommen. Zu Weihnachten haben wir mit unseren Lehrerinnen und Lehrern zusammen gegessen und Musik gehört. Unsere Lehrerin hat zu uns gesagt, es ist okay wenn eure Familien nicht bei euch sind, denn wir feiern heute gemeinsam. Das war für mich der bisher schönste Moment in Österreich.

Hast du schon viele Freunde gefunden?

An 7 Stunden pro Woche besuchen wir andere Klassen in unserer Schule. Wir sind ja alle ausserordentliche Schueler, dass heisst in meiner Klasse sind nur andere Asylwerber, Afghanen und Somali. Durch den Besuch in anderen Klassen habe ich auch Freunde aus Österreich gefunden. Ich hätte aber gern noch mehr Kontakt zu Österreichern, die mir auch bei der Sprache helfen können. Zum Beispiel die Fachausdrücke in Elektrotechnik auf Deutsch, damit tue ich mir noch schwer.

Und wie geht es weiter? Wirst du deinen Abschluss als Elektrotechniker machen können?

Leider weiss ich nicht, ob ich weiter die Schule besuchen kann oder nicht. Ich warte seit zehn Monaten auf eine Antwort von der Asylbehörde, ob ich Asyl bekomme ist ungewiss. Und die außerordentlichen Plätze für Asylwerber an Berufsschulen sind, wie gesagt, begrenzt. Meine Schule kann mir auch nicht sagen, wie lange ich noch den Unterricht besuchen kann. Ausserdem darf ich als Asylwerber nicht arbeiten, und kann somit auch nicht, wie ein normaler Lehrling, an einem Lehrplatz beschäftigt sein. Ich wünsche mir oft, einen Lehrplatz zu bekommen und mehr praktisch üben zu können, wie andere Lehrlinge auch. Ich möchte einen normalen Abschluss machen, hier bleiben und mein Leben weiter aufbauen, in einer Firma arbeiten, Steuern zahlen wie jeder andere...einfach ein Teil dieser Gesellschaft sein.

Wenn du allen Leuten in Österreich etwas ausrichten könntest... was wäre das?

Ich möchte sagen: überall gibt es unterschiedliche Leute, und auch die Flüchtlinge sind nicht alle gleich. Ich wünsche mir, dass es keine Vorurteile gibt, dass nicht alle in einen Topf geworfen werden. Vor allem aber würde ich gerne allen, die etwas für Flüchtlinge getan haben oder noch tun, sagen: ich bedanke mich ganz, ganz herzlich.