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„Mustafa ist ein Geschenk“

Ohne ausländische Mitarbeiter und Flüchtlinge ist in manchen Lehrberufen kein Auskommen zu finden. Trotzdem dürfen Asylwerber künftig keine Lehre mehr ergreifen. Wir haben einen jungen afghanischen Mann aus der Samariterbund-Flüchtlingseinrichtung Erdberg an seinem Arbeitsplatz besucht.


Asylwerber sind unschätzbar", sagt Alexander Stauder. Er ist Eigentümer des Traditionsrestaurants "Zum weißen Rauchfangkehrer" in der Wiener Innenstadt. In dieser Wiener Institution in der Weihburggasse scheint die Zeit still zu stehen. In getäfelten Sitzecken werden gutbürgerliche Gerichte gereicht, abends umspielt dezente Klaviermusik die Gäste und im Salon werden internationale Geschäftsleute von äußerst aufmerksamem Personal bedient.

Einer dieser Mitarbeiter ist Mustafa Zawari. Seit rund neun Monaten beschäftigt Stauder den mittlerweile 19-jährigen Afghanen. Als 16-jähriger war er allein nach Österreich geflüchtet. Nach einem kurzen Praktikum in einem italienischen Restaurant hat er sich für die Berufsschule und eine Lehre zum Restaurantfachmann entschieden und in der Flüchtlingseinrichtung Erdberg des Samariterbund Wiens eine Unterkunft gefunden.

Viele offene Lehrstellen

"Mustafa war vom ersten Tag an besonders aufmerksam, freundlich, extrem loyal, äußerst motiviert und kommt bei den Gästen bestens an. Wir würden ohne Flüchtlinge und anderen Menschen aus dem Ausland überhaupt keine Lehrlinge mehr finden. Österreicher interessieren sich aus mir unerklärlichen Gründen nicht für das Service", erzählt der Gastronom. Aktuell sind in der österreichischen Gastronomie fast 2000 Lehrstellen frei. Trotzdem ist unklar, ob der junge Flüchtling seine Lehre abschließen kann. Zawari hat einen negativen Asylbescheid erhalten und gegen diesen Beschwerde erhoben. Im Verfahren in zweiter Instanz wird nun entscheiden, ob er noch während seiner Ausbildung abgeschoben werden kann. Bislang war es Asylwerbern unter 25 Jahren möglich, eine Lehre in einem Mangelberuf zu absolvieren. Die Regierung schafft diese Möglichkeit nun ab.

"Meiner Meinung nach ist die Entscheidung nicht überlegt", sagt Alexander Stauder: "Aufgrund von Personalmangel müssen Stockwerke in Hotels gesperrt werden und auch ganze Restaurants schließen." Viele Asylwerber, die in Österreich eine Lehre absolvieren und die deutsche Sprache sprechen, sollen nun außer Landes gebracht werden. Dabei sind sie gefragte Arbeitskräfte und füllen eine Lücke, die anders nicht geschlossen werden kann.

"Viele Österreicher möchten diesen Beruf nicht erlernen - wir, die diesen Beruf mögen und machen wollen, dürfen ihn jetzt nicht ausüben. Das finde ich schade", bedauert Zawari. Besonders gerne serviert und trägt Zawari Getränke und freut sich, Gäste beraten zu können.

"Mustafa ist ein Wunschbeispiel für Integration", schwärmt sein Chef: "Er spricht sehr gut Deutsch, ist humorvoll und hat einen sehr wertschätzenden Umgang." Zawari liebt Tafelspitz mit Semmelkren und Schnitzel mit Kartoffelsalat - zwei Speisen, die er im Restaurant "Zum weißen Rauchfangkehrer" schätzen gelernt hat. Sein sehnlichster Wunsch ist, in Österreich bleiben und weiterhin arbeiten zu dürfen.

Stauder: "Jeder Asylwerber, der zuhause bleiben muss, wird in die Fadesse gedrängt. Menschen, die bereits in unserem Land sind, muss man die Chance geben, dass sie sich beschäftigen. Es geht gar nicht so sehr ums Geld, sondern um den geregelten Tagesablauf. Jeder Asylwerber, der arbeiten möchte, ist ein Geschenk."