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Wiener Kinderfreunde: Lerngruppe für junge Flüchtlinge

Der Kindergartenträger „Wiener Kinderfreunde“ führt seit kurzem mit ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen eine Lerngruppe im Wohnhaus für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Sowohl die Jugendlichen als auch die Ehrenamtlichen sind hoch motiviert.


Es ist verblüffend, wie gut die Jugendlichen, die zum überwiegenden Teil aus Syrien und Afghanistan kommen, bereits Deutsch sprechen. Viele von ihnen sind erst seit wenigen Monaten in Österreich - ein regelmäßiger Besuch der Schule oder von Deutschkursen ist ihnen erst seit ihrer Unterbringung im Wohnhaus für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge möglich. Die meisten haben einen langen, oft sehr schwierigen Weg hinter sich. So auch der 17-jährige Mohammed und der 15-jährige Reza aus Syrien, die nichts mehr wünschen, als mehr lernen zu dürfen.

Seit kurzem sind sie dem einen kleinen Schritt näher. Jeden Donnerstag finden nun Deutschkurse in Kleingruppen zum Üben und Intensivieren der Sprache für die jungen Menschen statt. Dies ist dank der engagierten Lernhelferinnen der Kinderfreunde OMY (Old Meets Young)-Gruppe möglich.

"Ein Bekannter arbeitet ehrenamtlich beim Samariterbund und bat mich um Unterstützung in Form von Lernhilfe für diese jungen Menschen", erzählt Gerlinde Wolfsberger, die Initiatorin und Koordinatorin der OMY-Gruppe der Wiener Kinderfreunde. Als sie bei einem OMY-Treffen von dem Projekt erzählte, meldeten sich sofort begeisterte Mitarbeiterinnen, die als ehrenamtliche Lernhilfe in einer Volksschule Erfahrung haben.

"Durchschnittlich 15 bis zwanzig Burschen nehmen nun regelmäßig und mit viel Motivation an den Übungsstunden teil. Sieben von ihnen besuchen eine NMS in der 8. Schulstufe. Die anderen machen Deutschkurse in verschiedenen Institutionen", erklärt Christian Ellensohn, der Leiter des Wohnhauses.

"Die Arbeit macht uns sehr viel Freude, weil das Interesse seitens der Jugendlichen ungeheuer groß ist. Alle wollen lernen, lernen, lernen. Aber darüber hinaus werden wir zu echten Bezugspersonen. Die Kinder haben ja alles außer ihrem Leben verloren", sagt Wolfsberger, sichtlich berührt.

Auch die anderen OMYs sind sich einig, dass die Arbeit mit den jungen Burschen eine Bereicherung ist. Wolfsberger: "Kannst du dir vorstellen, wie ich mich gefühlt habe, als mich ein 16-Jähriger beim Verabschieden gefragt hat, ob er Oma zu mir sagen darf?"