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mRNA Impfstoff

Univ.-Prof.in Dr.in Heidemarie Holzmann leitet die Abteilung für angewandte medizinische Virologie an der MedUni Wien und ist Mitglied des nationalen Impfgremiums. Im Gespräch mit sam WIEN spricht sie über die Wirksamkeit von Impfstoffen, die Auswirkungen von Virusmutationen und darüber, dass wir mit dem Virus leben lernen müssen.

sam WIEN: Diskussionen über die Wirksamkeit des AstraZeneca-Impfstoffes, den dieser im Vergleich zu den beiden mRNA-Impfstoffen von Pfizer/Biontech und Moderna haben soll, haben zuletzt viele Menschen verunsichert. Wie gut lassen sich schwere Krankheitsverläufe und Ansteckungen mit dem AstraZeneca-Impfstoff verhindern? 

Univ.-Prof.in Dr.in Heidemarie Holzmann: Man kann die großen abschließenden Phase-III-Studien (Anm: dabei handelt es sich um Studien mit mehr als 10.000 Personen zur Prüfung der Schutzwirkung) der verschiedenen Impfstoff-Hersteller AstraZeneca und Biontech/Pfizer nicht eins zu eins miteinander vergleichen, da die Impfstoffe so unterschiedlich konzipiert sind. Wir müssen uns vielmehr fragen, warum lassen wir uns impfen? Es geht doch darum, die schweren Krankheitsverläufe, Hospitalisierungen und Todesfälle zu verhindern. Hierbei hat der Impfstoff von AstraZeneca in den Testphasen gut abgeschnitten. Schon drei Wochen nach der ersten Impfung kann man von einer guten Schutzwirkung ausgehen. Auch Erfahrungswerte aus Schottland und England, wo bereits die breite Bevölkerung mit diesem Vakzin geimpft ist, zeigen eine große Schutzrate. Die Zahl der Krankenhausaufenthalte hat sich deutlich verringert. Natürlich muss man berücksichtigen, dass in England und Schottland die Impfung nicht die einzige Maßnahme ist, die derzeit gesetzt wird – auch das Tragen von Mund-Nasen-Schutz und das Abstandhalten tragen dazu bei, dass Infektionen und schwere Verläufe abnehmen.  

Ob es möglich ist, auch die Transmissionen, also die Übertragung der Infektion zu verhindern, ist noch nicht sicher geklärt, da hier noch eindeutige Daten fehlen.  

Wie wirksam sind die Impfstoffe gegen die Mutationen? 

Alle Impfstoffe haben eine gute Wirkung hinsichtlich der ursprünglichen Variante SARS-CoV-2 und auch der britischen Mutation B.1.1.7. Im Labor wurde nachgewiesen, dass sich die durch die Impfung gebildeten Antikörper an das Spike-Protein des SARS-Coronavirus II binden und diese Viren gut neutralisieren. Was jedoch die brasilianische und die südafrikanische Variante betrifft, zeigten die Studien eine signifikante Verminderung der Antikörperbindung und Neutralisation. Da aber nicht nur die Antikörperbildung, sondern auch die zelluläre Immunität die Immunantwort ausmachen, gehen wir derzeit noch immer von einem gewissen Schutz aus. Was dies aber insgesamt bedeutet, wird erst mit der Zeit durch die Verbreitung dieser Mutationen eindeutig erkennbar sein. Daher ist es so wichtig, schnell auf neue Mutationen zu reagieren und alles daran zu setzen, sie einzudämmen.  

Ist eine erste Teilimpfung bereits erfolgt, muss die zweite Teilimpfung mit Impfstoff des gleichen Herstellers erfolgen? Oder kann etwa zwischen Pfizer/Biontech- und AstraZeneca-Impfstoff bei der Verabreichung an eine Person gewechselt werden? 

Die zweite Teilimpfung erfolgt immer mit dem Impfstoff des gleichen Herstellers. Nach einer Grundimmunisierung mit einem Impfstoff spricht aber nichts dagegen, zu einem späteren Zeitpunkt eine Nachimpfung mit einem anderen Wirkstoff durchzuführen und so die entsprechende Schutzwirkung zu boostern.

Es laufen bereits Studien in England über die alternierende Verabreichung von Impfstoffen verschiedener Hersteller und auch über die Auswirkung verschiedener Intervalle zwischen den beiden Teilimpfungen. 

Wie können Menschen künftig vor Erkrankungen durch neue Mutationen geschützt werden? Wie schnell lassen sich bestehende Impfstoffe adaptieren und kann man diesen Impfstoff dann einfach zusätzlich nachimpfen? 

Mutationen sind bei Viren keine Besonderheit, sondern finden permanent statt. Sicher ist, dass sich das Virus weiterentwickeln wird und der Impfstoff angepasst werden muss. Dies ist derzeit mit den mRNA-Impfstoffen gut möglich. Es dauert in etwa vier bis sechs Wochen, um mRNA-Impfstoffe an eine neue Variante anzupassen. Bei jedem neuen Impfstoff muss auch die Zulassung durch die Europäische Arzneimittel-Agentur neu erfolgen. Es wird überprüft, ob schnellere Zulassungen möglich sind.  

Auch ein Vektorimpfstoff kann an neue Mutationen adaptiert werden. 

Wir müssen uns bewusst sein: Das Virus wird bleiben. Die Situation wird vergleichbar mit der Influenza sein. Wahrscheinlich muss der Impfstoff immer wieder an die aktuellen Varianten angepasst und aufgefrischt werden. Wie oft das sein wird, kann man derzeit noch nicht beantworten. Derzeit wissen wir, dass eine Impfung zumindest für sechs bis acht Monate Schutz bietet, weitere Daten werden wir mit der Zeit erhalten. 

Welche Erwartungen haben Sie für die Sommermonate? 

Entsprechend den Angaben des Gesundheitsministeriums sollen Ende des Sommers 70 Prozent aller Erwachsenen in Österreich geimpft sein können. Ich sehe schon ein Licht am Ende des Tunnels. Was bleiben wird, ist das Tragen von Masken, das Abstandhalten, das Einhalten der Hygieneregeln und viel testen. Sobald die Verfügbarkeit des Impfstoffes höher ist, wird es mehr Entspannung geben. Ich bin überzeugt: Mit ein bisschen Durchhaltevermögen schaffen wir das. 

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