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„Der Blick ist ein anderer.“

„Wenn unsere Besucher*innen das Internetcafé betreten, sehen sie sich um. Im Blick der Männer kannst du erkennen, dass sie schauen, ob vielleicht ein Kumpel da ist. Im Blick der Frauen sieht du, dass sie schauen, ob es hier gerade sicher für sie ist. Ob auch andere Frauen da sind. Oder Männer, von denen sie sich bedroht fühlen,“ erzählt uns Gertrud, die Leiterin des Internetcafés ZwischenSchritt für obdach- und wohnungslose Menschen

Gertrud hat schon vieles in ihrem Leben gemacht. Begonnen hat ihre Laufbahn mit einer Ausbildung in Theaterpädagogik, dann war sie Buchhändlerin, aber auch mal Sekretärin, bis sie im Alter von 30 Jahren die Ausbildung zur Sozialarbeiterin begonnen hat. Nach einigen Jahren im sozialkulturellen und arbeitsmarktpolitischen Bereich leitet sie seit 2013 unser Internetcafé. Zu diesem Zeitpunkt gab es nur das Konzept und das Kernteam. 

„Das Büro auf der Straße“ 

Im ZwischenSchritt können obdach- und wohnungslose Menschen kostenlos im Internet surfen, kopieren, scannen oder etwas ausdrucken. Normalerweise steht ihnen 1 Stunde lang ein PC zur Verfügung und sie bekommen Hilfe von Mitarbeiter*innen, wenn sie Unterstützung brauchen. Und normalerweise können sie zum Selbstkostenpreis im Café etwas trinken. Normalerweise. Seit Beginn der Pandemie mussten natürlich auch hier Einschränkungen getroffen werden. Das Kernteam, das aus ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen besteht, die selbst einmal von Obdach- oder Wohnungslosigkeit betroffen waren, fällt derzeit weg. Der Cafébetrieb musste eingestellt werden, die PC-Zeit wurde auf 45 Minuten beschränkt und ist nur nach Terminvereinbarung möglich. Was früher möglichst niederschwellig war, ist jetzt mit mehr Aufwand verbunden. 

„Das Leben vieler unsere Besucher*innen ist nicht so strukturiert. Ihnen fällt es schwer, einen Termin zu vereinbaren und den dann auch wahrzunehmen,“ sagt Gertrud. „Auch der offene, anonyme Zugang und dass die Leute die Zeit haben, die sie brauchen, fällt momentan weg.“ 

Zunehmende Digitalisierung durch Corona

Und das in einer Zeit, in der Digitalisierung schnell voranschreitet. „Alles findet derzeit online statt. Behördenwege, Wohnungs- und Arbeitsvermittlung. Alles Themen, die auch unsere Klientel stark betreffen. Und sie sitzen da mit ihren Wertkartenhandys, oft ohne Guthaben und versuchen bestmöglich durchzukommen. Viele von ihnen kommen aus bildungsfernen Schichten und finden sich jetzt in einer digitalisierten Welt wieder, mit der sie nicht oder kaum mithalten können.“ erzählt Gertrud weiter. „Hier geht es auch um finanzielle Nöte, wenn Bezüge verloren gehen, weil die persönliche Betreuung zur Gänze fehlt, oder nur nach Terminvereinbarung möglich ist.“ Eine fehlende Wohnadresse macht dich obdachlos. Eine fehlende E-Mail-Adresse macht dich obdachlos im Cyberspace.

„Das Funktionieren ist geblieben, das Soziale ist weggefallen“

„Eine bereits ältere Frau kommt jede Woche zu uns, weil sie im Schnitt zwei Bewerbungen pro Woche schreiben muss. Wir haben immer mit ihr geredet und sie hat immer einen Apfelsaft getrunken. Die Aussicht auf einen Job ist bei ihr leider nicht sehr hoch. Sie kommt auch jetzt weiterhin einmal pro Woche. Aber jetzt ohne Apfelsaft und mit weniger Zeit zum Reden.“

Bitte hilf uns dabei, obdach- und wohnungslose Frauen zu unterstützen. Vielen Dank!

„Weil sie etwas zurückgeben möchten“ 

Das Kernteam unterstützt, gemeinsam mit den hauptamtlichen Mitarbeiter*innen, die Besucher*innen wenn sie Fragen oder Probleme haben. Die Motive für die ehrenamtliche Mitarbeit als Peer im Internetcafé sind vielschichtig. Es geht um ein Wiederreinschnuppern in Arbeitsprozesse, um soziale Kontakte, um Tagesstruktur. Viele von ihnen arbeiten aber auch ehrenamtlich, weil auch ihnen einmal geholfen wurde und sie etwas zurückgeben möchten. Die Hälfte des Teams besteht aus Frauen. 

„Öffentlicher Raum ist nie privat“ 

Wenn du auf der Straße lebst, gibt es keinen privaten Raum für dich. Viele Frauen legen sich daher Strategien zu, um nicht hilf- und schutzlos zu wirken. Manche wirken psychisch auffällig oder legen extra Verhaltensweisen an den Tag, um abzuschrecken. Eine Strategie, um sich vor Übergriffen und Belästigungen in einer Männerwelt zu schützen. Denn als Frau auf der Straße bist du gefährdet. Und umso länger du auf der Straße lebst, umso mehr manifestiert sich dein Verhalten,“ erzählt Gertrud aus ihren Erfahrungen in der Wohnungslosenhilfe. 

„In der Wohnungslosenhilfe kommen alle Probleme zusammen“ 

„Die meisten haben irgendwann ein „ganz normales“ Leben geführt, bis sie dann etwas komplett aus der Bahn geworfen hat. Bei manchen war es eine längere Krankheit, bei anderen der Verlust eines geliebten Menschen, eine Suchterkrankung, ein Alkoholproblem, Jobverlust oder dass ihnen jemand Gewalt angetan hat. Da kann alles plötzlich sehr schnell gehen und du stehst auf der Straße,” erzählt Gertrud. 

„Danke, dass ihr Licht in mein Leben gebracht habt“ 

„Das hat eine Klientin einmal zu uns gesagt. Und ich wünsche mir für alle Frauen, dass sie das Licht sehen, wo auch immer es für sie ist,“ meint Gertrud zum Abschluss unseres Gesprächs und „Oft wissen wir nicht, was wir bewirkt haben. Wenn Menschen plötzlich nicht mehr zu uns kommen, kann das positiv oder auch negativ sein.“ Aber wir hoffen natürlich, dass wir ganz oft ein ZwischenSchritt auf dem Weg zurück in die Arbeitswelt und die eigene Wohnung sind. 

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