Inhalt
< vorheriger Artikel

Unsere Projekte laufen weiter, Nepal kann auf uns zählen

Immer noch prägen Zeltstädte das Stadtbild Kathmandus. Die Menschen suchen Sicherheit im Freien, jede Verkehrsinsel ist belegt. Wir treffen den Architekten Thomas Schrom. Auch er lebt mit seiner Frau Claire temporär im Vorgarten. Seit den 1990er Jahren arbeitet er in Nepal. Zu seinen Hauptwerken zählen das Museum in Patan und der Garden of Dreams. Auch jetzt, nach dem Beben, ist er damit beschäftigt, die Kulturschätze Nepals zu renovieren


„In Österreich hätte solch ein Erdbeben nicht so einen enormen Schaden angerichtet“, sagt Thomas Schrom: „Die Verwüstung korreliert direkt mit der Armut im Land. Denn die Leute wissen, wie man Erdbeben-sicher baut, sie haben nur nicht das Geld dafür.“ Es fallen die Schlagworte Stahlbetonring, Fundament, Rahmen und Ästhetik. Die Menschen am Land, meint er, seien in gewisser Hinsicht sogar besser dran. Denn die Landwirtschaft gibt ihnen eine Lebensgrundlage: „Am Schlimmsten ist es jetzt für die Menschen, die zur Miete gewohnt haben. Allein in unserem Garten leben 52 Obdachlose.“

Für viele Männer in den zerstörten Dörfern, ist der Alkohol und das Glücksspiel zum Problem geworden. Menschenhändler weben seit jeher ihr Netz und versprechen ein besseres Leben. Wir befinden uns immer noch in einer Ausnahmesituation. Die Menschen haben Angst, aber sie rappeln sich wieder hoch. Wir sehen Frauen, die Schutt wegbringen, Männer, die mit Bambus eine Unterkunft errichten. Bauern bestellen ihre Felder wieder und bringen die Ernte ein. Die Hoffnung lebt.

Auch Deepak und Sangeeta, in deren Pension wir wohnen haben sich von dem Schock des Erdbebens erholt. Immer öfter ist der 14-jährige Sohn im Haus, der aus Sicherheitsgründen vorübergehend bei den Großeltern gelebt hat. „Ich finde es toll, was ihr für unser Land leistet“, sagt Deepak, als wir uns herzlich verabschieden. Viele Stunden Flugzeit in einem wahrscheinlich beinah leeren Jet liegen vor uns. Die meisten Gäste werden – wie beim Herflug – Mitarbeiter von NGOs sein.

Aus dem Fenster sehe ich dann die Berge in den Wolken versinken. Wir steigen höher und bald kann ich nur noch Umrisse erahnen. Diese zwei Wochen waren eine Zeit voll schockierender Erfahrungen, toller Teamarbeit und – letztlich – gekrönt von Erfolg: Wir konnten helfen.  Und auch wenn wir vier nicht mehr vor Ort sein werden, die Projekte des Samariterbund laufen weiter. Wir lassen die Nepali nicht im Stich! – Oder wie es Thomas Schrom ausgedrückt hätte: „Pack dein überflüssiges Geld in einen Koffer und spende es für die Menschen in Nepal.“

Corinna Dietrich verabschiedet sich um viele Erfahrungen reicher aus einem Land, das ihr sehr ans Herz gewachsen ist.