Herr Schmatzberger, Ihr Weg in die Pflege begann nicht geradlinig.
Ursprünglich absolvierte ich eine Ausbildung als Tischler und Restaurierungstechniker. Nach meinem Präsenzdienst begann ich die Pflegeausbildung. Zunächst arbeitete ich als Pflegeassistent, anschließend folgten das Diplom sowie mehrere Zusatzausbildungen.
Sie waren über zwei Jahrzehnte direkt an den Patientinnen und Patienten tätig.
Über zwanzig Jahre war ich in der direkten Pflege tätig – eine prägende Zeit, die ich nicht missen möchte. Neben herausfordernden Situationen gab es viele positive und berührende Momente. Dazu zählten auch Situationen, in denen kleine individuelle Anreize wie das den Pflegealltag erleichterten, oder das Begleiten von Patientinnen und Patienten bei besonderen Anliegen. Solche Erfahrungen verdeutlichen, wie wichtig Beziehungsarbeit und Einfühlungsvermögen in der Pflege sind.
Warum sprechen Sie sich klar für eine 24-Stunden-Betreuung zu Hause aus?
Weil es um Vertrautheit und Würde geht. In den eigenen vier Wänden bleiben Erinnerungen, Routinen und Orientierung erhalten. Außerdem ist Betreuung zu Hause viel individueller. Tagesrhythmen, Vorlieben und Eigenheiten können besser berücksichtigt werden. Auch Angehörige profitieren: Sie bleiben nach Wunsch eingebunden und wissen ihre Liebsten gut versorgt. Das entlastet enorm.
Passt dieses Modell für jeden Haushalt?
Leider nein. Es braucht passende Voraussetzungen: ein eigenes Zimmer für die Betreuungskraft, Privatsphäre und möglichst eine barrierearme Wohnsituation. Ebenso wichtig sind klare organisatorische Abläufe und gute Abstimmung mit Familie und medizinischen Diensten. Entscheidend ist aber die soziale Komponente. Die pflegebedürftige Person muss bereit sein, eine Betreuungskraft dauerhaft im Haushalt aufzunehmen. Offenheit und gegenseitiger Respekt sind unerlässlich.
Was macht bei Ihnen den Qualitätsunterschied aus?
Qualität beginnt bei der Auswahl der Betreuungskräfte: Qualifikation, Erfahrung und pflegerische Grundkenntnisse sind beim Samariterbund Pflicht. Dazu kommen laufende Schulungen, regelmäßige Hausbesuche und enge Abstimmung mit Angehörigen. Besonders wichtig ist uns die soziale Kompetenz. Das Einfühlungsvermögen lässt sich nicht auf Papier prüfen, da muss man genau hinschauen.
Warum unterstützt der Samariterbund auch andere Organisationen bei der Qualitätssicherung?
Als große und etablierte Organisation im Pflege- und Betreuungsbereich verfügt der Samariterbund über umfangreiches fachliches Know-how. Wir haben erfahrenes, diplomiertes Pflegepersonal und klare Standards. In der Praxis zeigt sich, dass genau das oft fehlt. Deshalb stellen wir anderen Organisationen unsere diplomierten Pflegekräfte für Qualitätskontrollen zur Verfügung. So sichern wir Standards systemweit.
Was erwarten Sie von der Politik?
Klare, praxistaugliche gesetzliche Rahmenbedingungen und eine Förderung, die mit steigenden Kosten Schritt hält. Qualität darf kein Zufall sein. Diplomiertes Pflegepersonal muss verbindlich eingebunden werden. Die 24-Stunden-Betreuung ist eine tragende Säule des Pflegesystems. Sie braucht eine langfristige Strategie, keine kurzfristigen Lösungen.
Das Interview führte Martina Vitek-Neumayer