Mit insgesamt 56 aktiven Einsatzkräften und Basiskursteilnehmer:innen stellte sich unser Team den Herausforderungen einer komplexen Hochwasserlage. Bereits vor der Abfahrt wurden Fahrzeuge und Ausrüstung vorbereitet, ein umfangreiches Mission Briefing durchgeführt sowie Aufgaben und Einsatzziele definiert. Im Mittelpunkt standen internationale Zusammenarbeit, effiziente Koordination und die Bewältigung anspruchsvoller Schadenslagen gemeinsam mit Partnerorganisationen aus der Slowakei und Deutschland.
Nach der Ankunft im simulierten Katastrophengebiet erfolgte zunächst die Registrierung im Reception and Departure Centre (RDC), um so ein erstes Lageupdate zu bekommen und erste Koordinationsmaßnahmen einzuleiten. In enger Abstimmung mit den örtlichen Behörden wurden priorisierte Einsatzbereiche festgelegt, Lagebilder erstellt und die nächsten operativen Schritte vorbereitet. Parallel dazu begann die Errichtung der Base of Operation (BoO), der eigenen Koordinationsstelle für den Einsatz. Innerhalb kurzer Zeit wurden Infrastruktur, Stromversorgung, Arbeitsbereiche und Unterkünfte aufgebaut.
Im weiteren Verlauf der Übung standen zahlreiche realitätsnahe Einsatzszenarien im Fokus. Menschenrettung, medizinische Erstversorgung und Evakuierungsmaßnahmen bildeten zentrale Schwerpunkte. Besonders herausfordernd war die Evakuierung eines Altenheims, das durch steigende Wassermassen akut bedroht wurde. Bewohner:innen mussten rasch und sicher in geschützte Bereiche gebracht sowie medizinisch betreut werden.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Suche nach vermissten Personen im offenen Gelände. Organisationsübergreifende Einsatzkräfte, darunter Rettungshundeteams, medizinisches Fachpersonal und nationale Rettungskräfte arbeiteten eng zusammen, um betroffene Gebiete systematisch abzusuchen, Personen zu lokalisieren und medizinisch zu versorgen. Mit zunehmender Dynamik der Hochwasserlage verschärfte sich auch das Szenario: Hangrutschungen, unterspülte Gebäude und Einsturzgefahr erschwerten die Rettungsmaßnahmen erheblich. In einem simulierten Schadensfall wurde das Medium Urban Search and Rescue Modul (MUSAR) des SA-RRTs zur Rettung verschütteter Personen angefordert. Gemeinsam mit speziell ausgebildeten Trümmersuchhunden, technischen Expert:innen sowie medizinischen Kräften wurden Such- und Rettungsmaßnahmen unter anspruchsvollsten Bedingungen durchgeführt.
Nach sechs intensiven Übungstagen begann schließlich die Demobilisierung und der Rückbau der Base of Operation. Für unsere Basiskursteilnehmer:innen stellte diese Abschlussübung einen bedeutenden Meilenstein dar. Neben fachlichem Wissen waren Teamgeist, Belastbarkeit, Flexibilität und professionelles Handeln unter Druck gefragt. Mit Stolz dürfen wir berichten: Alle Teilnehmer:innen haben die Abschlussübung erfolgreich absolviert. Gemeinsam kehrten wir mit wertvollen Erfahrungen, gestärktem Teamzusammenhalt und vielen neuen Erkenntnissen an unsere Homebase zurück.
Die gesamte Übung zeigte eindrucksvoll, wie essenziell schnelle Entscheidungswege, professionelle Einsatzstrukturen und Kooperation in der internationalen Katastrophenhilfe sind. Besonders die Zusammenarbeit mit unseren Partnerorganisationen ASSR sowie dem ASB Arbeiter-Samariter-Bund Regionalverband Halle/Bitterfeld e. V. machte deutlich, wie wirksam grenzüberschreitende Hilfe funktionieren kann.
Text von Gerda Wandl